Kostenvergleich: Golf gegen e-Golf

14.07.2016 - 10:30 Uhr von Christoph Mähler
14.07.2016

Hersteller von Elektroautos halten sich gern bedeckt, wenn es um die tatsächlichen Kosten der E-Mobilität geht. Wir haben am Beispiel Golf gegen e-Golf die wichtigsten Zahlen zusammengetragen.

Der VW e-Golf ist die rein elektrisch angetriebene Variante seines tausendfach verkauften Benzin- oder Diesel-Bruders. Mit 115 PS soll er im Idealfall bis zu 190 Kilometer weit fahren können.
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Der VW e-Golf ist die rein elektrisch angetriebene Variante seines tausendfach verkauften Benzin- oder Diesel-Bruders. Mit 115 PS soll er im Idealfall bis zu 190 Kilometer weit fahren können.

 © Volkswagen AG

Bei Ihrer Internetrecherche zum Neuwagenkauf geraten Sie auf die Seite „Volkswagen e-mobility“. Angeboten wird dort ein angeblicher „Alleskönner“. Auf den ersten Blick sieht der Angepriesene fast genau wie Deutschlands automobiler Topseller VW Golf aus. „Eine saubere Sache“ und „Grenzenlos mobil“ – die Werbe-Slogans klingen gut. Elektrifiziert stellen Sie sich die Frage: Was kostet das Alles? 

Damit stehen Sie vor der Überlegung, ob sich die Anschaffung eines Elektroautos für Sie rechnet. Und natürlich ist da auch der Vergleich zum konventionell betriebenen Auto, also dem klassischen Benziner oder Diesel. Genau dieser Fragestellung widmet sich der folgende Beitrag. Alle Kosten von A wie Anschaffung bis Z wie Zulassung haben wir exemplarisch am Beispiel e-Golf versus Benzin-Golf aufgeschlüsselt. Dieser Vergleich steht stellvertretend für die ihm zugrunde liegende Frage: Was kosten E-Autos im Vergleich zu konventionellen Autos?

Die Kontrahenten

Für einen fairen und aussagekräftigen Vergleich müssen sich die beiden Autos auf Augenhöhe begegnen. Daher ein kurzer Check aller relevanten Eckdaten:

Modell

     

VW Golf 1.0 TSI    

     

VW e-Golf                              

Klasse


Kompaktklasse


Kompaktklasse

Abmessungen L x H x B


4,25 m, 1,80 m, 1,45 m


4,25 m, 1,80 m, 1,45 m

Sitzplätze


5


5

Leistung


85 kW (115 PS)


85 kW (115 PS)

Drehmoment


max. 200 Nm


max. 270 Nm

Beschleunigung


9,7 Sekunden auf 100 km/h


10,4 Sekunden auf 100 km/h

Höchstgeschwindigkeit


204 km/h


140 km/h

Verbrauch


4,3 l / 100 km


12,7 kWh / 100 km

Tank / Batterie


50 l


24,2 kWh

Reichweite


ca. 800 km


ca. 190 km

Kofferraumvolumen


ca. 380 l


ca. 305 l

Leergewicht


1.211 kg


1.585 kg

Zuladung


573 kg


450 kg

Warum der Golf 1.0 TSI? Mit diesem Modell haben wir dem e-Golf einen ernstzunehmenden Konkurrenten in punkto „sauberes Fahren“ an die Seite gestellt. Als erster Benzin-Golf trägt der 1.0 TSI das „BlueMotion“-Label. Dieses Label steht bei Volkswagen werbewirksam für Sparsamkeit und niedrige Verbrauchswerte. Bis zum 1.0 TSI war es Modellen mit Diesel- oder Erdgas-Antrieb vorbehalten. Die von VW angegebenen Verbrauchswerte konnte der Praxistest allerdings nicht bestätigen. Laut Testbericht von MeinAuto.de liegt der Durchschnittswert bei 5,5 anstelle der versprochenen 4,3 Liter.

Anschaffungskosten

Dieser Punkt des Vergleichs ist schnell geklärt: Mit 21.350 Euro ist der Golf 1.0 TSI deutlich günstiger als der 34.900 Euro teure e-Golf. In beiden Fällen handelt es sich um den Listenpreis der Grundausstattung. Wie erklärt sich die enorme Differenz von 13.550 Euro? Ein Großteil dieser Summe entfällt auf die Antriebsbatterie des e-Golf. Genaue Zahlen hierzu gibt VW nicht preis. Aber die Rechnung ist einfach: Bei den derzeit durchschnittlichen Herstellungskosten der Stromspeicher von etwa 300,- Euro pro Kilowattstunde ergibt sich die stolze Summe von 7.260 Euro allein für die Batterie. Die noch sehr niedrigen Absatzzahlen des e-Golf tragen ebenfalls ihren Teil zum hohen Preis bei. Ist es rechnerisch überhaupt möglich, derart hohe Mehrkosten an anderer Stelle wieder einzusparen?

Staatliche Kaufanreize

Das hehre Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf deutsche Straßen zu bringen, bleibt angesichts mangelnder staatlicher Kaufanreize sehr fragwürdig. Als das einzige finanzielle Förderinstrument gilt derzeit die Befreiung von der Kfz-Steuer für die ersten zehn Betriebsjahre eines E-Autos. Nach Ablauf dieser Frist werden 50 Prozent der üblichen Kfz-Steuer erhoben. Gutes Vorbild in punkto staatlicher Förderung könnte hier Norwegen sein: Käufer eines elbils (norwegischer Name für E-Autos) sind von Mehrwert- und Importsteuer sowie Abgasabgaben befreit. Darüber hinaus zahlen sie keine Autobahngebühren, können auf kommunalen Parkplätzen kostenfrei parken und an einer der zahlreichen Ladestationen kostenlosen Strom tanken. In Norwegen ist der e-Golf 80.000 Kronen (ca. 8.800 Euro) günstiger als ein klassischer Benzin-Golf.

Kfz-Steuer & Versicherung

Dank seines BlueMotion-Labels rangiert der Golf 1.0 TSI in der Schadstoffnorm EURO-6. In barer Münze: Pro Jahr fallen 28,- Euro Kfz-Steuern an. Damit beläuft sich die Ersparnis des steuerbefreiten e-Golf auf magere 280,- Euro in zehn Jahren. Auch bei der Versicherung macht der e-Golf keine gute Figur. Während bei der Haftpflichtversicherung beide Modelle mit der Typenklasse 17 gleichauf liegen, zeigt sich beim e-Golf eine deutlich höhere Einstufung bei der Voll- und Teilkaskoversicherung. In der Übersicht:

Modell

     

VW Golf 1.0 TSI

     

VW e-Golf

Haftpflicht Typklasse


17


17

Vollkasko Typklasse


20


21

Teilkasko Typklasse


17


21

Laden versus tanken

Die beim e-Golf serienmäßig mitgelieferte Ladetechnik ermöglicht nur das Aufladen an haushaltsüblichen SchuKo Steckdosen. Mit 13 Stunden fällt die Ladezeit dieser Methode allerdings extrem lang aus. Wer es schneller möchte, muss dafür zahlen: Ladekabel für die Wallbox oder Ladestation schlagen mit rund 250,- Euro zu Buche (je nach Länge). Auch die Wallbox hat einen stolzen Preis: VW bietet sie zum Aufpreis von 890,- Euro inklusive Montage an. Das sind alles Kosten, die beim Golf 1.0 TSI natürlich entfallen. Wird es denn wenigstens an der heimischen Steckdose preiswerter als an der Zapfsäule? Laut Herstellerangaben verbraucht der e-Golf 12,7 kWh auf 100 Kilometer. Der ADAC widerspricht hier deutlich: In seinem Testbericht (pdf) liegt der durchschnittliche Verbrauch bei 18,2 kWh. Geht man von 15 kWh als Mittelwert aus, ergeben sich bei einem derzeitigen Strompreis (2015)  von durchschnittlich 28,81 Cent Stromkosten von 4,32 Euro auf 100 Kilometer. Der Golf 1.0 TSI verbraucht (laut MeinAuto.de s.o.) rund 5,5 Liter auf 100 Kilometer. Bei den derzeit (11/2015) günstigen Spritpreisen von etwa 1,30 Euro pro Liter errechnen sich so 7,15 Euro auf 100 Kilometer. Hier hat der e-Golf zum ersten Mal die Nase vorn! Gut 3,- Euro Ersparnis auf 100 Kilometer. Rechnet man diesen Wert auf die Jahres-Fahrleistung hoch, kommt eine stattliche Summe zusammen. So beläuft sich die Ersparnis bei 20.000 Kilometern auf 600,- Euro.

Wartungs- und Reparaturkosten

Eine Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (ifa) hat ergeben, dass E-Autos im Vergleich mit Benzinfahrzeugen rund 35 Prozent weniger Kosten für Wartung und Reparatur verursachen. Die Studie basiert auf einem Kleinwagen mit einer Laufzeit von acht Jahren und einer Jahresfahrleistung von 8.000 Kilometern.

In diesem Zeitraum fallen bei Benzin- und Dieselfahrzeugen Wartungs- und Reparaturkosten in Höhe von 3.650 Euro an. Besitzer eines E-Autos müssen hingegen mit nur 2.350 Euro rechnen. Vor allem der wegfallende Ölwechsel und der fehlende Austausch von Auspuff und Kupplung beim E-Auto sind für diese Kostendifferenz verantwortlich.

Fazit

Die Zahlen belegen es: Geld sparen mit einem Elektroauto ist derzeit nicht möglich. Über die Einsparungen bei Energieverbrauch und Wartungs- und Reparaturkosten können die Mehrkosten beim Neukauf nicht ausgeglichen werden. Ein weiterer Faktor ist der Wertverlust von Elektroautos. Erst wenn die Produktionskosten (und damit die Preise) sinken, kann E-Mobilität zu einer finanziell rentablen Alternative werden. Auch staatliche Kaufanreize (siehe Norwegen) könnten Autofahrer zur Entscheidung „pro E-Mobil“ bewegen.

Quelle: stromschnell.de
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