Skoda Vision E: So fährt sich das Elektro-SUV-Coupé

31.08.2017 - 15:15 Uhr von Clemens Hirschfeld
31.08.2017

Skoda gibt mit dem Vision E einen Ausblick auf sein erstes Elektroauto, das autonomes Fahren nach Level 3 und mit einer induktiv aufladbaren Batterie 500 Kilometer Reichweite nach NEFZ ermöglichen soll.

Redakteur Clemens Hirschfeld durfte vorab ganz vorsichtig mit
dem 306 PS starken Elektro-Concept ein paar Meter fahren. Für einen
ernsthaften Eindruck ist es jedoch noch zu früh. Die Vorteile eines
Elektromotors - volle Power ab Stillstand - sind jedoch schon jetzt
nicht zu bestreiten.
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Redakteur Clemens Hirschfeld durfte vorab ganz vorsichtig mit dem 306 PS starken Elektro-Concept ein paar Meter fahren. Für einen ernsthaften Eindruck ist es jedoch noch zu früh. Die Vorteile eines Elektromotors - volle Power ab Stillstand - sind jedoch schon jetzt nicht zu bestreiten.

© Skoda

Skoda-Autos gelten bisweilen als weniger brillante Alternativen zu VW-Modellen – praktisch und günstig zwar, aber auch etwas nüchtern und wenig innovativ. Doch das soll sich in naher Zukunft ändern. Seit Anfang des Jahres tüfteln im Digilab – Skodas Ideenschmiede im Herzen von Prag – Mitarbeiter zusammen mit Startups an Lösungen für die Mobilität von morgen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Lösung heißt Elektromobilität.

Vision E Studie mit Facelift

Bereits in Shanghai präsentierte Skoda seine rein elektrisch angetriebene Konzeptstudie Vision E, die für ihre Europapremiere in Frankfurt vor allem an der Frontpartie neu modelliert wurde. Mit der Kühlerspange und dreieckigen Lufteinlässen trägt sie nun Züge des späteren Serienmodells. Die Weiterentwicklung zeigt, dass die Tschechen noch auf der Suche nach einem Gesicht für ihre E-Autos sind. Eine Elektro-Submarke wie bei VW ist bei Skoda aber nicht geplant, wie Guido Haak, Leiter der Elektrosparte, bestätigt.

Durch die beleuchteten Designelemente aus Glas, die in Handarbeit in einer Kristallglasmanufaktur entstanden, besinnt sich Skoda auf tschechische Handwerkstradition. Schade nur, dass wir die wohl ebenso wenig auf der Straße zu sehen bekommen werden wie die gegenläufig öffnenden Fondtüren.

Elektrobaukasten aus dem VW-Konzern

Unter der Hülle des Serienautos steckt der Modulare Elektrifizierungsbaukasten (MEB) des VW- Konzerns, der vor allem im Innenraum große Gestaltungsspielräume zulässt. So rückt das Armaturenbrett durch die gegenüber dem Verbrenner deutlich kompaktere E-Antriebseinheit weiter nach vorn. Auch der fehlende Mitteltunnel räumt Passagieren auf den vier drehbaren Einzelsitzen deutlich mehr Platz ein. Wie in dieser Klasse gewünscht, sitzt man leicht erhöht, fühlt sich durch den gewonnenen Freiraum aber etwas verloren. Eher unübersichtlich wirken die zahlreichen Monitore, die Fahrer und Beifahrer mit Infos und den markentypischen Connect-Diensten versorgen. Simply clever sind dagegen induktive Ladeschalen für Smartphones in jeder Türinnenseite.

Zwei Elektromotoren mit einer Systemleistung von 225 kW (306 PS) treiben alle vier Räder der Konzeptstudie an. Obwohl Fahrwerk und Antrieb noch im Entwicklungsstadium stecken, kann man mit der Studie sogar fahren, allerdings nur sehr behutsam. Immerhin surrt der Vision E vom Fleck weg, wie man es von anderen E-Autos kennt. Die indirekte Lenkung und das hölzerne Fahrgefühl lassen indes keine belastbaren Rückschlüsse auf das künftige Serienmodell zu, das spätestens 2021 für rund 45.000 Euro auf den Markt kommt.

Bis dahin soll der Vision E autonomes Fahren auf Level 3 – auf der Autobahn selbstständig beschleunigen, lenken und bremsen – sowie mittels Autopilot die Parkplatzsuche in der Stadt beherrschen.

Fazit

Skoda gibt mit dem Vision E einen Ausblick auf sein erstes Elektroauto, das autonomes Fahren nach Level 3 und mit einer induktiv aufladbaren Batterie 500 Kilometer Reichweite nach NEFZ ermöglichen soll. Der Serienstart ist nicht vor 2020 geplant. Da sind Konkurrenten wie Tesla deutlich schneller. Immerhin sollen bis 2025 ein Viertel aller verkauften Skodas elektrisch angetrieben werden.

10 Fragen zum Skoda Vision E

1. Welche Plattform wird verwendet? Der Modulare Elektrifizierungsbaukasten (MEB) aus dem VW-Konzern. „Der ermöglicht es uns, ein Auto zu entwickeln, das kaum größer ist als ein Octavia, aber Innen so viel Platz wie ein Superb bietet“, sagt Bernhard Maier, Skoda-Vorstandsvorsitzender. Nun, ein bisschen schummelt er da, denn vor allem die Breite von 1,92 Meter fällt deutlich üppiger aus (Octavia 1,81 Meter). Länge: 4,68 Meter, Höhe 1,59 Meter.

2. Was leistet der Antrieb? Je ein Elektromotor an Vorder- und Hinterachse ermöglichen eine Systemleistung von 225 kW, also 306 PS. Daraus ergibt sich auch der Allradantrieb. Die Höchstgeschwindigkeit ist dennoch auf 180 km/h limitiert.

3. Wie groß ist die Reichweite? Bis zu 500 Kilometer – allerdings nach dem sehr theoretischen NEFZ. „Nach WLTP wären das dann etwa 15 Prozent weniger“, sagt Skoda-Entwicklungschef Christian Strube.

4. Was würde eine Serienversion kosten? „In etwa so viel wie ein gut ausgestatteter Superb“, sagt Maier. Also mal eben rund 50.000 Euro. Müsste Skoda nicht eher ein günstigeres, kompakteres Elektroauto auf den Markt bringen? „Zu dem vorgesehen Zeitpunkt ließe sich ein solches Modell noch nicht darstellen“, entgegnet Maier. Was er nicht sagt: Generell rechnen sich solche Fahrzeuge nur über die ab 2020 fälligen Strafzahlungen, falls die vorgegebenen Flottenemissions-Ziele nicht erfüllt werden. Daher bringt Skoda auch erst 2019 den ersten Plug-In-Hybriden auf Superb-Basis, obwohl der eins zu eins die Technik des VW Passat GTE übernimmt.

5. Wie nahe an der Serie ist die Studie? Nun, wie das mit Studien eben so ist. Der viele Glitter in Form der zahlreichen Elemente aus Glaskristall sei zwar eine Reminiszenz an tschechische Handwerkskunst, soll aber vor allem das chinesische Publikum begeistern – und dürfte sich kaum in der Serie wiederfinden. Ebenso wenig die drehbaren Sitze. Konzept und Antrieb könnten aber 2020/21 durchaus real werden. Und das Design nimmt ohnehin das für China geplante Kodiaq Coupé vorweg.

6. Was zeichnet die Studie aus? Viel Theorie. Autonom Fahren nach Level 3 soll sie können, induktiv geladen werden sowieso (nach 30 Minuten ist der Lithium-Ionen-Akku zu 80 Prozent geladen) und natürlich den Insassen durch Konnektivität und Assistenzsysteme das Leben erleichtern. Nette Idee: In den Türen befindet sich je eine Ablagemöglichkeit für Mobiltelefone, die dort kabellos geladen werden können.

7. Welche Ziele verfolgt Skoda bei der Elektromobilität? Bis 2020 sollen etwa acht Prozent der verkauften Fahrzeuge Plug-In-Hybride und batterieelektrische Modelle sein, 2025 sogar ein Viertel. Übrigens: Derzeit liegt der Anteil von Elektrofahrzeugen am Gesamtabsatz in Europa bei 0,57, in China bei 1,45 Prozent.

8. Warum hat Skoda derzeit noch nicht einmal ein Hybrid-Modell im Angebot, obwohl die Technologie im Konzern verfügbar ist? „Unsere Produkte müssen ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten. Die Batterietechnologie, die der MEB vorsieht, kostet nur noch die Hälfte von der, die heute ein e-Golf nutzt. Und die Kosten werden weiter sinken“, erklärt Strube.

9. Wie fühlt sich der Vision E an? Abgesehen von dem Glas-Glamour angenehm ruhig. Er wirkt modern, unaufgeregt, hochwertig. Allein der ebene Boden wird den Insassen künftig ein ganz anderes Raumgefühl bescheren, als sie es heute kennen. Dazu bekommen sie die häufig gewünschte, hohe Sitzposition.

10. Wenn ich nicht auf den Vision E warten will, was gibt’s denn von Skoda sonst noch Neues? Wie gesagt, nichts Elektrisches vor 2019. Dieses Jahr startet erst einmal die zweite Generation des Yeti. Und alle, die es etwas sportlicher mögen, werden mit einem zweiten RS-Modell neben dem Octavia bedient. „Da kommt noch was“, sagt Maier. Und was? Eher ein Superb oder ein Fabia RS? „Darüber kann ich jetzt noch nicht sprechen“. Schade.

Jetzt muss also auch Skoda ran, macht sich Gedanken darüber, wie die Kernwerte der Marke in ein Elektrofahrzeug passen. Eine echte Herausforderung, vor allem weil die Kunden ein besonders günstiges Preis-Leistungsverhältnis erwarten. Daher erscheint es gewagt, die Serienversion des Vision E auf dem Niveau eines gut ausgestatteten Superb anzubieten. Andererseits: Der große Kodiaq ist für 2017 ausverkauft, wird gerne in den gehobenen Ausstattungsvarianten genommen. Als Benziner? Sollte man in Anbetracht der Diesel-Diskussion meinen. Doch die meisten Käufer ordern den 150 PS- oder 190 PS-TDI. Es wird also ein langer, harter Weg zur E-Mobilität. Ja, nicht nur für Skoda.

Fährt der Vision E auch autonom?

Die Studie Vision E zeigt ein fünftüriges SUV-Coupé, das sich auf eine Länge von 4.680 Millimeter streckt. In der Breite misst sie 1.917 Millimeter und in der Höhe 1.550 Millimeter. Der Radstand von 2.850 Millimeter wird mit kurzen Überhängen an Front und Heck kombiniert. Dazu gibt es gegenläufig öffnende Türen ohne B-Säule. Die Studie nimmt mit der langestreckten Silhouette und dem coupéhaftem Dachverlauf formal das kommende Skoda Kodiaq Coupé vorweg. Das war ursprünglich nur für China vorgesehen. Jetzt überlegt Skoda das Kodiaq Coupé auch in Europa anzubieten. Die Skoda-Manager rechnen sich mit dem SUV-Coupé im Vergleich mit einem BMW X6 und Mercedes CLC Coupé größere Marktchancen aus.

Angetrieben wird der Skoda Vision E rein elektrisch. Die Systemleistung der beiden E-Motoren soll bei 225 kW liegen, die Höchstgeschwindigkeit bei 180 km/h. Das verbaute Lithium-Ionen-Batteriepaket soll eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern ermöglichen. Die an beiden Achsen platzierten Elektromotoren addieren sich zu einem Allradantrieb, der elektronisch bedarfsgerecht gesteuert wird.

Aber der Vision E fährt nicht nur rein elektrisch, sondern auch autonom auf Level 3. Es kann selbsttätig im Stau agieren, per Autopilot Strecken auf Autobahnen zurücklegen, die Spur halten oder ausweichen, Überholvorgänge durchführen, selbständig freie Parkplätze suchen und alleine ein- und ausparken. Dafür stehen diverse Sensoren mit unterschiedlichen Reichweiten und verschiedene Kameras bereit, die das Verkehrsgeschehen überwachen. Die Shanghai-Studie baut, wie auch das spätere Serienmodell, auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB) des VW-Konzerns auf.

Drehbare Sitze und viele Monitore

Insgesamt will Skoda bis zum Jahr 2025 fünf rein elektrisch angetriebene Modelle in verschiedenen Segmenten anbieten. Als erster Teil-Elektriker kommt zum Modelljahr 2019 der Skoda Superb mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. 2020 folgt dann das erste rein elektrisch angetriebene Modell. Dabei sol es sich um einen Octavia der neuen Modellgeneration handeln, die 2019 startet. Die Batterie wird skalierbar sein, die Kunden können je nach Geldbeutel unterschiedliche Batterieleistungen wählen. Die maximale Reichweite soll bis zu 600 Kilometer betragen.

Mit ersten Bildern gibt Skoda einen Ausblick auf das Interieur der Elektrostudie. Die zeigen vier um 20 Grad drehbare, schalenförmige Einzelsitze mit neuartigen Rückenlehnen und einen fehlende Mitteltunnel. Beim Öffnen der Türen schwenken die Sitze nach außen und erleichtern damit den Ein- und Ausstieg. Nach dem elektrisch betätigten Schließen der gegenläufig öffnenden Türen fahren die Sitze in ihre Ausgangsposition zurück. Ein neues Konzept zeigt auch die Cockpitgestaltung. Neben dem Cockpitbildschirm, auf dem die klassischen Fahrzeugdaten angezeigt werden, befinden sich weitere Screens für die Insassen. In der Mitte des Armaturenbretts sitzt das zentrale Touchscreen-Display, über das Fahrer und Beifahrer alle wichtigen Funktionen und Dienste des Infotainmentsystems ablesen und bedienen können.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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