Volkswagen Sedric fährt auf Knopfdruck vor

Mon Mar 06 19:00:00 CET 2017 - Mon Mar 06 19:00:00 CET 2017 Uhr von Andreas Of
Mon Mar 06 19:00:00 CET 2017

Volkswagen zeigt in Genf die Studie Sedric („self driving car“), ein autonom fahrendes Elektroauto. Den Sedric soll jeder nutzen können und er kommt selbstständig zu seinem Nutzer gefahren. Statt Lenkrad und Pedalen gibt es drei Knöpfe und einen Bildschirm.

So stellt sich Volkswagen die Zukunft vor: selbstfahrendes
Elektroauto Sedric.
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So stellt sich Volkswagen die Zukunft vor: selbstfahrendes Elektroauto Sedric.

© Guido ten Brink / SB-Mdien

Matthias Müller gibt es gleich zu Beginn der Abendveranstaltung des VW-Konzerns zu: „Viele lieben es wie ich das Steuer selbst in der Hand zu halten, aber“, so der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen weiter, „autonomes Fahren wird die Mobilität sicherer und effizienter machen“. Müller ist sich sicher: „Wirklich selbstfahrende Autos ohne Lenkrad werden in absehbarer Zukunft zum Straßenbild gehören“.

Die Zukunft von Volkswagen gibt die Strategie „Together“ vor. Sie soll den VW-Konzern vom Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister machen, mehrere Milliarden will VW laut Müller in den nächsten Jahren in diese Entwicklung investieren. Nach der Beteiligung an Gett und der Gründung von MOIA folgt zum Genfer Autosalon mit dem VW Sedric („Self Driving Car“) eine Studie zur Mobilität der Zukunft. Sie soll ein „konkreter Ausblick für automatisiertes Fahren der höchsten Stufe (Level 5) sein. Level 5 heißt, der Sedric hat weder Pedale noch Lenkrad, er fährt völlig allein. Zum Beispiel zu seinem Besitzer, um ihn abzuholen. Dazu soll der Nutzer lediglich einen Knopf drücken müssen, den so genannten „One-Button“, ein kleines Gerät, das etwa so aussieht wie ein iPod-Shuffle. Der „One-Button“ trägt eine SIM-Karte, die ihm erlaubt, mit Sedric zu kommunizieren.

VW Sedric – nicht für jedermann, aber zum Teilen

Zwar will sich VW vorstellen, dass Sedric auch ein Auto zum Kaufen ist, aber vor allem soll er ein Auto zum Teilen sein. Wer unterwegs ist, kann auch in einer fremden Stadt ein „Shared Mobility“-Fahrzeug über das Bedienelement anfordern. Der Sedric muss dabei nicht von VW sein, sondern kann auch das Label einer anderen Konzernmarke tragen. So könnte Sedric Basis eines ganzen Mobilitätssystems sein: Car Sharing wie es von Car2Go bekannt ist, Ride Sharing also digital organisierte Mitfahrzentralen, oder taxiartige Mobilitätsdienstleistungen – das alles würde mit Sedric möglich.

Und mal ehrlich: Ein Car2Go, das selbst fährt, könnte nach dem Kneipenbesuch ja auch ganz nützlich sein. Weil es keine Eingriffsmöglichkeit mehr gibt, sollen das Fahrzeug sogar Menschen ohne Führerschein nutzen können. Sie fordern das Fahrzeug über den One-Button an, der zum Beispiel die Ankunftszeit per farbiger Anzeige ankündigt oder mit Vibrationssignalen blinde Menschen zum Fahrzeug führt. Und auch wer ein solches Auto zur privaten Nutzung gekauft hat, profitiert von den Selbstfahrfähigkeiten. Anders als heutige Autos kann dieses Fahrzeug dann selbstständig Einkaufen fahren oder Besuch vom Bahnhof abholen.

VW Sedric - keine Ähnlichkeit zu Golf und Polo

Für das Design hat die neue Technologie dramatische Auswirkungen. Sedric unterscheidet sich schon außen erheblich von einem Golf oder Polo: Eine Motorhaube gibt es nicht, die Räder sitzen ganz außen und sind abgedeckt. Auf dem Dach, an Front und Heck sind Kameras und Sensoren angebracht. Am ehesten erinnert das Design noch an den VW Bus. Und weil Sedric auf dem modularen Elektrobaukasten (MEB) basiert, gleicht er mehr noch dem I.D. Buzz. Denn wie bei dem sitzt im Unterboden zwischen den Achsen das Batteriemodul, die Elektromotoren sind in der Nähe der Räder untergebracht. Und wie beim I.D. Buzz hat das einen positiven Einfluss auf das Platzangebot innen.

Ein Wohnzimmer für vier Passagiere

Mit einem Radstand, der nicht viel länger ist als der eines Up, wird aus Sedric eine regelrechte Lounge für Vier. Über eine zweiteilige Tür können die Passagiere sehr einfach ein- und aussteigen. Gepäck können sie einfach mit in den Innenraum nehmen.

Die Sitzplätze sind paarweise gegenüber angeordnet, wobei im Concept Car nur die richtig bequem sind, die in Fahrtrichtung blicken. Bei den anderen sind die Sitzflächen hochkappbar und etwas spärlich gepolstert. Zwischen den besseren Sitzen sind die einzigen Bedienknöpfe von Sedric platziert: Sie sind mit „Stop“, „Go“, und „ Call“ beschriftet. „Das einfachste HMI (Human Machine Interface), das man sich vorstellen kann“, sagt Johann Jungwirth, seit 2015 Chief Digital Officer von Volkswagen.

Übersicht: Die beliebtesten Elektroautos in Deutschland

Der Innenraum ist hell und freundlich. Der Boden ist völlig eben und sieht aus wie mit Bambus-Parkett belegt. Die großzügige Verwendung von Birkenleder (ein Material aus Birkenrinde) soll eine Verbindung zur Natur herstellen: Pflanzen vor der Heckscheibe verbessern das Raumklima. Bambuskohle-Luftfilter reinigen außerdem die Luft, die von außen einströmt. An der Vorderseite befindet sich ein großer, halbtransparenter OLED-Bildschirm, der mit Hilfe von Augmented Reality unterhält und informiert, über die Route zum Beispiel. Am Präsentationsabend beispielsweise zeigte das Display immer wieder die Route vom Flughafen Genf zum Veranstaltungsort. Nach vorne rausschauen kann man durch diesen Bildschirm trotzdem noch.

Echte Autos kommen auch noch

Entwickelt haben Sedric das Future Center Europe in Potsdam und die Konzernforschung in Wolfsburg – und das in einem Jahr, in dem der Konzern 60 neue Modelle an den Start bringen will. Darunter Publikumslieblinge wie den Skoda Yeti, den Porsche Cayenne, neue Baureihen wie den Golf-SUV T-Roc oder Klassiker wie den VW Polo. Alles Autos mit Lenkrad und Pedalen, zum selbst fahren. Wobei: Auch der Audi A8 kommt noch dieses Jahr. Und der soll, so Matthias Müller stolz, zum automatisierten Fahrzeug werden, zumindest bis 60 km/h, im Stau, auf der Autobahn.

Vielleicht muss der VW Sedric da ja nie hin und es reicht, wenn autonom fahrende Autos „das Leben in unseren Städten besser, umweltfreundlicher und sicherer machen“, wie es Matthias Müller verspricht.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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