Was passt zu mir – Hybrid oder vollelektrisch?

09.05.2016 - 00:00 Uhr von Christoph Mähler
09.05.2016

Rund ums Elektroauto existieren weitere Antriebskonzepte. Modelle, Technik, Kosten und Ökobilanz – welche Varianten gibt es vom Autofahren mit Strom?

Plug-In Hybrid wie dieser VW Golf GTE, Hybrid, mit Range-Extender oder vollelektrisch angetrieben, rund ums reine Elektroauto gibt es weitere Konzepte mit Vor- und Nachteilen.
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Plug-In Hybrid wie dieser VW Golf GTE, Hybrid, mit Range-Extender oder vollelektrisch angetrieben, rund ums reine Elektroauto gibt es weitere Konzepte mit Vor- und Nachteilen.

 © imago/STAR-MEDIA

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich ein hehres Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2020 sollen eine Million Elektroautos über deutsche Straßen rollen. Angesichts der in Deutschland zugelassenen 18.984 Elektroautos erscheint diese Zahl eher visionär als realistisch. 

Modelle und Kosten

Die Produktion von Elektroautos hat in Deutschland eine lange Tradition. Im Jahr 2013 wurde das Jubiläum "125 Jahre deutsches Elektroauto" gefeiert. Trotzdem ist das Angebot in Serie produzierter E-Autos im Vergleich mit den herkömmlichen Benzinern sehr überschaubar. Die folgende Übersicht listet die bekanntesten Großserien-Modelle (mehr als 1.000 Stück im Monat) sowie die Anschaffungskosten der Grundausstattung auf.

  •     BMW i3: ab 34.950 Euro
  •     Renault Zoe: ab 21.700 Euro
  •     Tesla Model S: ab 71.400 Euro
  •     Nissan Leaf: ab 23.790 Euro
  •     VW e-Golf: ab 34.900 Euro
  •     Toyota Prius: ab 23.900 Euro

Bei diesen Preisen wird schnell klar, dass die Anschaffungskosten eines E-Autos derzeit noch deutlich über denen vergleichbarer Benzin-Autos liegen. Darüber hinaus fallen noch weitere, auf den ersten Blick nicht sichtbare, Kosten an. Beispielsweise die Montage einer sogenannten "Wallbox" (Spezialsteckdose für kürzere Ladezeiten) oder spezielle Ladekabel.

Um das ehrgeizige Ziel der Millionen-Marke bis 2020 zu erreichen, wird seit geraumer Zeit in der Bundesregierung über Kaufanreize für E-Autos diskutiert. Anders als beispielsweise in China, Japan und den USA gibt es aber hierzulande noch keine wesentlichen Vergünstigungen für die Käufer. Einzig die momentan geltende fünfjährige Befreiung von der Kfz-Steuer (zehn Jahre ab 2016) schlägt hier positiv zu Buche. Nach Ablauf der Befreiungsfrist zahlt der E-Auto-Halter aber immer noch 50 Prozent der normalen Kfz-Steuer. Verhandelt wird über Kaufprämien, größere Steuervorteile und Privilegien, wie der Nutzung von Busspuren in Großstädten durch E-Autos und kostenlose Parkplätze. Über welche Förderinstrumente letztendlich entschieden wird, ist bislang noch unklar. Fest steht: Nur über das Umweltgewissen der Bürger werden sich die Verkaufszahlen nicht im angestrebten Umfang realisieren lassen.

Die Technik

Grundsätzlich unterteilt sich die Sparte der E-Autos in zwei Klassen: Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb und sogenannte Hybridfahrzeuge. Bei den reinen E-Autos bezieht das Fahrzeug seine Energie ausschließlich aus an Bord installierten Akkumulatoren. Sind diese leer, müssen sie vor der Weiterfahrt wieder aufgeladen werden. Dieser Vorgang kann, abhängig von der verwendeten Ladetechnik, mehrere Stunden dauern. Hybridfahrzeuge besitzen hingegen zwei verschiedene Antriebseinheiten, zumeist einen Elektro- und einen Verbrennungsmotor. Durch die Bewegungsenergie des Fahrzeugs im Benzinbetrieb werden die Akkumulatoren des Elektroantriebs kontinuierlich aufgeladen. Der Nutzen: Durch die unterstützende Leistung des Elektromotors (beispielsweise beim Beschleunigen) kann der Verbrennungsmotor häufiger in seinem optimalen Wirkungsgrad arbeiten. In Zahlen: Insbesondere im oft stockenden Stadtverkehr ist eine Verbrauchsminderung um bis zu 60 Prozent möglich.

Einen Sonderfall stellen die sogenannten Plug-In-Hybridmodelle dar. Während bei dem zuvor beschriebenen Voll-hybriden ausschließlich die überschüssige Bewegungsenergie zum Aufladen der Akkus genutzt wird, kann ein Plug-In-Hybrid auch an der Steckdose aufgeladen werden (engl. plug in = "einstecken"). Diese Modelle können auch längere Strecken ausschließlich im Elektrobetrieb zurücklegen.

Schweres Handicap: Die Batterie

Trotz intensiver Entwicklungsarbeit der Automobilindustrie stellt das Gewicht der verwendeten Akkumulatoren noch immer ein Problem dar. Selbst sogenannte Leichtgewichte, wie die im Golf e-up verbauten Akkus, bringen immerhin noch 300 Kilo auf die Waage. Als entscheidender Faktor gilt die Maßeinheit Wh/kg. Diese spezifische Zell-Energie beschreibt die Speicherkapazität pro Kilogramm Akkugewicht. Der derzeitige Durchschnittswert liegt bei etwa 190 Wh/kg. Hier können nur neuartige Systeme (Lithium-Schwefel-Batterien) auf Dauer Abhilfe schaffen. Da aber die Grundlagenforschung dieser Technologie noch in den Kinderschuhen steckt, ist keine kurzfristige Gewichtsreduktion bei E-Autos in Sicht.

Problem Reichweite

Der schwerwiegendste Grund für viele Autofahrer, nicht auf den offensichtlich umweltschonenderen E-Antrieb umzusteigen, ist die geringe Reichweite der Elektrofahrzeuge. Laut Herstellerangaben bewegt sich diese je nach Modell in einem Bereich von 150 bis 200 Kilometern. Für den Betrieb innerhalb der Stadtgrenzen ist das zumeist ausreichend. Bei Überlandfahrten stellt die geringe Reichweite jedoch ein echtes Problem dar. Genau wie bei dem Gewicht der heutzutage verwendeten Batterien ist bei diesem Handicap die Forschung gefragt. Mehr Leistung und kürzere Ladezeiten versprechen die Hersteller – allerdings klingen diese Versprechungen momentan noch wie Zukunftsmusik. Der einzig mögliche Kompromiss zwischen umweltschonendem Autofahren und hoher Reichweite scheint momentan in dem oben beschriebenen Hybridfahrzeug zu bestehen.

Kosten sparen mit Strom?

Lässt man die hohen Anschaffungskosten und die weitgehend fehlende staatliche Förderung außer Acht, kann bei den reinen Betriebskosten eines E-Autos tatsächlich gespart werden. Ein Beispiel:

Der oben erwähnte BMW i3 benötigt 12,9 kWh auf 100 Kilometer. Bei einem derzeitigen Strompreis von 28,81 Cent pro Kilowattstunde (2015) entspricht das 3,72 Euro. Ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor benötigt etwa fünf Liter Benzin auf 100 Kilometer. Bei einem Benzinpreis von etwa 1,36 Euro (September 2015) ergeben sich dadurch Kosten von 6,80 Euro. Mit einem elektrisch angetriebenen Auto lassen sich also die Kosten pro gefahrenem Kilometer um annähernd die Hälfte senken. Bei einer akribischen Rechnung, die hohe Anschaffungskosten und einen schnellen Wertverlust von E-Autos berücksichtigt, sehen diese Zahlen allerdings wesentlich ungünstiger aus.

Stichwort Ökobilanz

Da E-Autos völlig ohne lokalen CO₂ -Ausstoß fahren, sind sie in dieser Hinsicht Autos mit Verbrennungsmotor weit überlegen. Allerdings müssen in der sogenannten Ökobilanz von Elektroautos neben der Emissionsfreiheit viele andere Faktoren berücksichtigt werden. Bei der Erzeugung des benötigten Stroms fallen, je nach Kraftwerkstyp, große Mengen an umweltschädlichem CO ₂ an. Falls der verbrauchte Strom ausschließlich aus Kohlekraftwerken stammt, ist der ökologische Fußabdruck eines E-Autos ungünstiger als der eines Benziners. Dementsprechend hängt die Ökobilanz eines E-Autos entscheidend von der Herkunft des verwendeten Stroms ab. Auch bei der Herstellung der verwendeten Batterien fällt C0 ₂ an. An dieser Stelle ist wieder die Forschung gefragt: Neben geringerem Gewicht bei höherer Leistung müssen die Batterien der Zukunft auch umweltfreundlichere Herstellungsprozesse aufweisen können.

Unabhängige Testreihen bestätigen dem E-Auto unterm Strich dennoch eine positive Ökobilanz. Um vergleichbar "sauber" zu fahren, müsste ein Auto mit Verbrennungsmotor weniger als vier Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen.

Quelle: stromschnell.de
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