Ratgeber: Elektroauto zuhause laden

17.03.2017 - 16:15 Uhr von Christoph Mähler, Lukas Lauterbach
17.03.2017

Um die Ladetechnik von Elektroautos ranken sich einige Mythen, etliche Stecker und technische Abkürzungen sorgen für reichlich Verwirrung. Von Anschlusskabel bis Zusatzkosten haben wir die wichtigsten Fakten zum heimischen Laden zusammengestellt. 

Wallbox mit Ladekabel und Typ 2-Stecker für eine Ladeleistung von bis zu 22 kW. Bevor die Wallbox montiert werden kann, müssen Grundvoraussetzungen wie eine geeignete Zuleitung und passende Absicherung geschaffen werden.
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Wallbox mit Ladekabel und Typ 2-Stecker für eine Ladeleistung von bis zu 22 kW. Bevor die Wallbox montiert werden kann, müssen Grundvoraussetzungen wie eine geeignete Zuleitung und passende Absicherung geschaffen werden.

 © MENNEKES

Voraussetzungen der heimischen Elektroinstallation

Grundvoraussetzung ist ein Stellplatz mit einem Elektroanschluss für das E-Auto. Falls Ladezeiten von mehreren Stunden (z.B. über Nacht) kein Problem darstellen, kann der Anschluss theoretisch direkt über das Ladekabel an eine normale Steckdose mit 230 Volt erfolgen. Aufgrund der langen Ladezeiten, des oft schlechten Wirkungsgrads und des erhöhten Sicherheitsrisikos wird diese Methode aber nicht selten als "Notladung" bezeichnet. Deutlich schneller lädt die Batterie an einem Drehstromanschluss mit 400 Volt. Hier werden üblicherweise Ladeleistungen von 11 kW bzw. bis zu 22 kW erzielt.

In beiden Fällen sollte vor Inbetriebnahme durch einen Fachmann abgeklärt werden, ob die Anschlüsse und alle Kabel der erhöhten Dauerbelastung gewachsen sind. Durch Überhitzung einer zu schwachen Installation droht sonst schlimmstenfalls Brandgefahr. Dem Aufladen des E-Autos über eine sogenannte Wallbox ist bei dauerhafter Nutzung klar der Vorzug zu geben.

Was ist eine Wallbox?

Wallbox ist die mittlerweile weit verbreitete Bezeichnung für eine intelligente Wandladestation nach IEC 62196. Diese speziell für Elektroautos entwickelte Ladestation ist die Schnittstelle zwischen Ladekabelstecker und dem Stromnetz. In der Regel wird die Wallbox an Drehstrom mit 400 Volt und 16 Ampere bzw. 32 Ampere angeschlossen. Dieser Stromanschluss wird auch für Elektroherde genutzt und ist in den meisten Haushalten verfügbar. Die damit erzielte Ladeleistung von 11 kW bzw. 22 kW sorgt für deutlich kürzere Ladezeiten. Typischerweise erfolgt die Verbindung von Auto und Wallbox über ein Ladekabel mit einem Typ 2-Stecker (Mennekes-Stecker), bei asiatischen Herstellern ist hingegen der Typ 1-Stecker verbreitet. Die meisten Hersteller von E-Autos bieten auf ihr Angebot abgestimmte Wallboxes zu sehr unterschiedlichen Preisen an. 

Orientierung im Stecker-Dschungel

Berücksichtigt wurden hier nur Stecker, die bei der privaten Ladetechnik zuhause zum Einsatz kommen können. Stecker-Systeme öffentlicher Ladestationen (CCS und CHAdeMO) sind hier nicht aufgeführt.

  • Standard-Stecker (nach CEE 7/4): Wird auch als "Haushalts- oder SchuKo-Stecker" bezeichnet und stellt den Standard in Deutschland dar. Er ist auf 230 Volt/10 Ampere ausgelegt und erzielt eine Ladeleistung von etwa 2,3 kW.
  • CEE-Blau (nach Norm IEC 60309): Wird auch als "Camping-Stecker" bezeichnet und ist im Vergleich mit dem SchuKo-Stecker wesentlich robuster und höheren Belastungen gewachsen. Er ist auf 230 Volt/32 Ampere ausgelegt und erzielt  mit einer entsprechenden ICCB oder mobilen Ladebox eine Ladeleistung von 7,4 kW.
  • CEE-Rot (nach Norm IEC 60309): Wird auch als "Drehstrom-Stecker" bezeichnet und ist genau wie ein CEE-Blau-Stecker für hohe Dauerbelastung geeignet. Er ist auf 400 Volt/16 Ampere ausgelegt und erzielt mit einer mobilen Ladebox eine Ladeleistung von 11 kW. Auf CCE-Rot sind außerdem bei 400 Volt/32 Ampere bis zu 22kW möglich.
  • Ladestecker Typ 2 (nach Norm IEC 62196): Wird nach dem Hersteller auch als "Mennekes-Stecker" bezeichnet. Die meisten privaten (Wallbox) und öffentlichen Ladestationen sind mit diesem Anschluss-System ausgerüstet. Typ 2-Stecker wurden speziell für das Laden von E-Autos entwickelt und dienen neben der Energieübertragung auch dem Austausch von Informationen zwischen Fahrzeug und Ladepunkt. In ihrer stärksten Ausführung (400 Volt/32 Ampere) erzielen sie an privat gebräuchlichen Ladestationen eine Leistung von bis zu 22 kW.
  • Ladestecker Typ 1: Dieser Stecker wird überwiegend bei asiatischen Fahrzeugen verwendet und ist auf ein 120/240-Volt-Einphasen-Dreileiternetz ausgelegt. Entsprechend haben Elektroautos mit Typ 1-Stecker ein einphasiges Ladegerät mit maximal 7,4 kW Ladeleistung. Im Gegensatz zum Typ 2-Stecker hat der Typ 1-Stecker auf der Fahrzeugseite keine standardmäßige Verriegelung. Passende Ladekabel für den europäischen Markt haben auf der Wallbox-Seite einen Typ 2-Stecker und auf der Fahrzeugseite einen Typ 1-Stecker.

Wechselstrom versus Gleichstrom

Das deutsche Stromnetz arbeitet mit Wechselstrom. Um die Batterie eines E-Autos aufzuladen, wird hingegen Gleichstrom benötigt. Diesen Konflikt lösen die Autohersteller mit einem im Auto integrierten Gleichrichter (Konverter). Es bedarf also bei der Einrichtung einer heimischen Ladestation keiner speziellen Vorrichtung zur Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom. Dieser Vorgang erfolgt im Ladegerät des Autos automatisch. Wird eine öffentliche Ladestation mit Gleichstrom genutzt, fließt der Strom am Konverter vorbei direkt zur Batterie.

AC-Ladeleistung bei 230 oder 400 Volt 


230 V 1-phasig400 V 3-phasig
10 A  2,3 kW6,9 kW
13 A3,0 kW9,0 kW
16 A3,7 kW11 kW
20 A4,6 kW13,8 kW
32 A7,4 kW22 kW
63 A14,5 kW43,5 kW

Ladedauer und anfallende Kosten

Die Ladedauer eines Elektroautos wird neben dem Zustand der Batterie (kalt, warm, leer, halbvoll etc.) maßgeblich von zwei Faktoren bestimmt: Der Ladekapazität der Batterie und der verwendeten Ladetechnik. Ausgehend von einer Batteriekapazität von 20 Kilowattstunden (kWh) bewegt sich die Ladedauer zwischen 6-8 Stunden an einer Haushaltssteckdose (230 Volt/10 Ampere = 2,3 kW einphasig) und, ein dreiphasiges Ladegerät im Auto vorausgesetzt, etwa 1 Stunde an einer schnellen Wallbox (400 Volt/32 Ampere = 22 kW dreiphasig). Verfügt das Elektroauto hingegen nur über ein einphasiges Ladegerät, wäre der Ladevorgang auch an einer 22 kW-Wallbox auf theoretisch 7,4 kW begrenzt. Um Schieflasten im Stromnetz zu vermeiden, sind in Deutschland sogar nur maximal 4,6 kW pro Phase zugelassen, weshalb das Auto mit 20 kWh-Akku hier etwa 4-5 Stunden laden würde.

Batterie-Kapazität und Ladedauer beliebter Elektroautos

ModellSteckerPhasenDauer 2,3 kWDauer 11 kW (3,7 kW)Dauer 22 kW (7,4 kW)
BMW i3 (22 kWh)Typ 2186(3)
BMW i3 (33 kWh)Typ 23123(4,5)
Renault ZOE (22 kWh)Typ 231032
Renault ZOE (41 kWh)Typ 23254,53
VW e-Golf (24 kWh)Typ 21117-
VW e-Golf (35 kWh)Typ 221310-
VW e-up! (19 kWh)Typ 218,55,5-
Nissan Leaf (24 kWh)Typ 11107,5(4)
Nissan Leaf (30 kWh)Typ 111310(5,5)
Smart 451 ED (18 kWh)Typ 23821
Hyundai Ioniq (28 kWh)Typ 21127,5(4,5)
Kia Soul EV (27 kWh)Typ 11127,5(4,5)

Wird das Auto nur zu festen Zeiten benötigt, hat längere Standpausen oder verfügt nur über ein einphasiges Bordladegerät, können die Zusatzkosten für eine 22 kW-Wallbox und entsprechende Verkabelung zugunsten eines 16 A-Drehstrom-Anschlusses mit 3,7 bzw. 11 kW-Wallbox eingespart werden. Zu beachten ist außerdem, dass die Verlustleistung mit steigender Ladeleistung tendenziell eher zunimmt, was für langsameres Laden spricht.

Die beim Laden entstehenden Kosten richten sich nach der verbrauchten Menge des Stroms. Verschiedene Stromanbieter haben vergünstigten Nachtstrom im Angebot. Falls die Ladezeiten üblicherweise in den Nachtstunden liegen, lohnt sich daher ein Preisvergleich. Für eine genaue Kostenkontrolle des verbrauchten Stroms empfiehlt sich ein separater Stromzähler an der Ladestelle des Autos. Einige der teureren Wallboxes besitzen bereits einen integrierten Stromzähler.

Mehr zum Thema E-Mobilität

Wir hoffen, dass wir Ihre wichtigsten Fragen rund um das Thema "Ein E-Auto zuhause laden" beantworten konnten. Mehr Wissenswertes über Elektroautos finden Sie in unserem FAQ-Bereich und den dort verlinkten weiterführenden Beiträgen.

Quelle: stromschnell.de
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