Elektroauto gebraucht kaufen

18.08.2016 - 00:00 Uhr von Christoph Mähler
18.08.2016

Neue Elektroautos liegen beim Anschaffungspreis noch deutlich über dem Preisniveau eines vergleichbaren Benziners oder Diesels. Kann es die günstigere Alternative sein, ein Elektroauto gebraucht zu kaufen? Wir werfen einen Blick auf die Besonderheiten bei gebrauchten Elektroautos.

Junge Gebrauchte wie der im Frühjahr 2013 erschienene Renault Zoe können einen günstige Alternative zum Neuwagen sein.
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Junge Gebrauchte wie der im Frühjahr 2013 erschienene Renault Zoe können einen günstige Alternative zum Neuwagen sein.

 © imago/Sebastian Geisler

Noch ist das Angebot an gebrauchten Elektroautos überschaubar. Der Grund liegt auf der Hand: Von den insgesamt gut 44 Millionen zugelassenen Pkw in Deutschland besitzen nur etwa 19.000 einen Elektroantrieb. Diese wenigen Elektroautos befinden sich zumeist noch in der Hand ihrer Erstbesitzer. Entsprechend dürftig sind die Erfahrungswerte beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos. Einige grundsätzliche Trends lassen sich aber schon erkennen.

Elektroautos: Ein wachsender Markt

Die Situation auf dem Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos dürfte sich in naher Zukunft ändern, denn die ersten Leasing-Verträge enden und Elektroautos der ersten Generation werden gebraucht angeboten. Unter die Modelle, die den Markt aufmischen dürften, fallen der im Frühjahr 2013 debütierte Renault Zoe und der bereits seit Winter 2010 verkaufte Nissan Leaf. Für beide Modelle nimmt die Zahl der Angebote aktuell zu.

Gebraucht kaufen: Wie viel Geld lässt sich sparen?

Worin unterscheidet sich der Kauf eines gebrauchten Elektroautos von dem eines herkömmlichen Pkw? Der Wertverlust bei einem Elektroauto bewegt sich in einem ähnlichen Rahmen wie bei herkömmlichen Pkw. Einer Prognose von Schwacke zufolge wird ein VW e-Golf mit einem Neupreis von 34.900 Euro und 10.000 Kilometern Laufleistung pro Jahr nach vier Jahren noch 18.750 Euro kosten. Das entspricht einem Wertverlust von knapp der Hälfte und zugleich dem eines Benzin- oder Diesel-Golfs. Allerdings besitzt der e-Golf deutlich weniger Verschleißteile, die ausgetauscht werden müssen. Da der e-Golf erst seit Frühjahr 2014 auf dem Markt ist, gibt es noch keine Vierjährigen. Es bleibt daher abzuwarten, ob die Schwacke-Prognose zutreffen wird.

Kaufprämie macht Neuwagenkauf oftmals attraktiver

Aktuell finden sich etwa zwei Jahre alte Exemplare des VW e-Golf auf dem Gebrauchtwagenmarkt und werden zu einem Preis ab 25.000 Euro gehandelt. Immerhin knapp 10.000 Euro günstiger als ein Neuwagen. Der Ersparnis steht allerdings die Kaufprämie von 4000 Euro für Elektroautos entgegen, die zu gleichen Teilen von Bund und Herstellern beim Kauf eines Neuwagens zugezahlt wird - was in vielen Fällen aktuell noch für den moderat teureren Neuwagen sprechen dürfte.

Wie wird sich der Wertverlust bei Elektroautos entwickeln?

Wie viel ein Elektroauto nach beispielsweise acht Jahren Lebensdauer noch kosten wird, ist nicht absehbar. Am Beispiel des ältesten Volumenmodells unter den Elektroautos, dem seit Dezember 2010 produzierten Mitsubishi EV, erklärt Schwacke, dass die Preise „auf einem niedrigen, aber stabilen“ Niveau sind. Es sind zu viele unkalkulierbare Faktoren, die in den nächsten Monaten und Jahren Einfluss auf die Wertentwicklung von Elektroautos haben werden. Die Kaufprämie dürfte die Preise speziell für junge Gebrauchte zukünftig drücken. Ein Gesetz hingegen, das in Städten den Gebrauch von emissionsfreien Fahrzeugen vorschreibt, würde den Preis in die Höhe treiben. Auch die fortschreitende Entwicklung der Antriebsbatterien hat Einfluss auf die Wertentwicklung: Besitzen zukünftige Elektroautos Batterien mit deutlich verbesserten Leistungsparametern, würden Gebrauchtwagen mit älteren Batterien im Wert sinken.

Elektroauto gebraucht kaufen: Der Faktor Verschleißteile

Grundsätzlich gilt: Elektroautos haben deutlich weniger Verschleißteile als mit Verbrennungsmotor angetriebene Autos. Klassische Bauteile eines herkömmlichen Pkw, die über kurz oder lang ausgetauscht werden müssen, wie Zündkerzen, Zahnriemen, Kühlungssystem, Getriebe und Auspuff, entfallen beim Elektroauto. Baugleiche Fahrzeugteile, wie Fahrwerk oder Stoßdämpfer, unterliegen bei beiden Fahrzeugtypen ähnlichen Abnutzungserscheinungen. Die Bremsen hingegen werden aufgrund der Rekuperation im Elektroauto seltener verwendet und verschleißen damit weniger.

Ein Elektromotor ist bei höherer Lebensdauer aufgrund seiner wesentlich einfacheren Bauart weniger störanfällig als ein Verbrennungsmotor. Das bedeutet insgesamt weniger Folge- und Werkstattkosten für den Stromer und damit ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zum genauso teuren Gebrauchtwagen mit Verbrennungsmotor.

Wie hoch ist die Lebenserwartung einer Antriebsbatterie?

Laut Aussage verschiedener Hersteller reicht die Lebensspanne der Batterie ein ganzes E-Auto-Leben lang. Diese schwammige Formulierung lässt viel Spielraum für Interpretationen. Denn bei guter Pflege kann ein Auto 15 Jahre und mehr fahrtüchtig bleiben. Das ist deutlich länger als die von Experten prognostizierte Lebensdauer der Batterie.

Die Reichweite des Elektroautos verringert sich schneller, je häufiger es gefahren wird. Denn durch das Ent- und wieder Aufladen verliert eine Batterie langsam aber stetig an Leistung. Aktuell in Elektroautos verbaute Lithium-Ionen-Akkus überstehen unbeschadet mindestens 2.000 Ladezyklen, dann beginnt die Kapazität nachzulassen. Das entspricht bei durchschnittlicher Nutzung ungefähr einem Zeitraum von zehn Jahren.

BMW wagt sich an konkrete Zahlen: Die Batterie des BMW i3 soll mindestens zwölf Jahre und 150.000 Kilometer durchhalten. „Auch wer oft mit 50 kW lädt, wird innerhalb eines normalen Autolebens keine Einschränkungen feststellen”, sagt Manfred Poschenrieder von BMW. Auch Volker Blandow vom TÜV Süd sagt: „Inzwischen haben alle Fahrzeuge sehr zuverlässige Batterien. Alle aktuell verfügbaren Fahrzeuge weisen durchweg eine hohe Qualität auf.“

Batteriecheck vor dem Kauf

Bevor Sie ein Elektroauto gebraucht kaufen, ist es unerlässlich, den Zustand der Batterie in Erfahrung zu bringen. Dafür können z.B. in einer Markenwerkstatt über eine Datenschnittstelle die Batteriedaten ausgelesen werden. Auch kann die Kapazität der Batterie mit einem etwas aufwändigeren Test ermittelt werden: Eine komplette Batterieladung sollte zum Test des Fahrzeugs unter realen Bedingungen genutzt werden. Wenn die Reichweite und auch die anschließende Ladezeit im grünen Bereich liegen, spricht das für einen intakten Energiespeicher.

Alternativen zum gebraucht kaufen des Elektroautos mit Batterie können Leasing-Modelle sein, wie sie beispielsweise Renault oder Nissan anbieten. Gekauft wird nur das Elektroauto, die Batterie wird, abhängig von Fahrleistung und Leasingdauer, zu einem monatlichen Betrag gemietet. Im Gegenzug garantiert der Hersteller, dass die Kapazität der Batterie nicht unter einen definierten Wert fällt und tauscht sie andernfalls aus. Andere Firmen wie etwa Volkswagen oder BMW bieten ausschließlich Kaufmodelle an.

Elektroauto kaufen: Privat versus Händler

Beim gebraucht kaufen von Elektroautos gelten ansonsten die gleichen Bedingungen wie auf dem übrigen Gebrauchtwagenmarkt. So sind Angebote von Privat oft günstiger als beim Händler, dieser hingegen ist zur Gewährleistung verpflichtet und legt bei jungen Gebrauchten oft noch eine Garantie mit drauf.

Quelle: stromschnell.de
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