Pämie, Öl-Preis & Co: Lohnt sich ein E-Auto?

13.03.2016 - 07:45 Uhr von Christoph Mähler
13.03.2016

Angesichts der viel diskutierten Kaufprämie für Elektroautos werden potentielle Käufer hellhörig. Wie teuer sind Anschaffung und Unterhalt eines E-Autos wirklich? Die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

Mit dem Renault Zoe gesellt sich ein hausinterner Rivale zum
Clio.
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Mit dem Renault Zoe gesellt sich ein hausinterner Rivale zum Clio.

 © Hans-Dieter Seufert

Das politische Tauziehen um eine staatliche Kaufprämie von bis zu 5000 Euro für E-Autos geht in die nächste Runde. Allen voran Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) macht sich seit Wochen stark für dieses Vorhaben. Sein Argument pro Kaufprämie: Nur mit Kaufanreiz wird sich der Markthochlauf von E-Autos im gewünschten Umfang realisieren lassen.

Unterstützer findet er vor allem in der Wirtschaft. Beim sogenannten Elektro-Gipfel Anfang Februar 2016 traf sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den führenden Köpfen der Automobilindustrie. Die Konzern-Chefs Harald Krüger (BMW), Dieter Zetsche (Daimler) und Matthias Müller (Volkswagen) drängten unisono auf Umsetzung der umstrittenen Pläne. Ohne den zusätzlichen Kaufanreiz einer staatlichen Förderung sehen sie keine Möglichkeit die schwächelnden Absatzzahlen von Elektroautos zu verbessern.

Konsens des Spitzentreffens: Innerhalb der nächsten Wochen, spätestens aber bis März, soll eine konkrete Förderstrategie entwickelt werden. „Bundesregierung und Automobilindustrie wollen dafür bis März einen gemeinsamen Handlungsrahmen entwickeln“, kommentierte Sigmar Gabriel die Ergebnisse.

5000 Euro nur Tropfen auf dem heißen Stein?

Angenommen, die Kaufprämie kommt tatsächlich – macht sie den Kauf eines E-Autos rentabel? 5.000 Euro für private Käufer und immerhin noch 3.000 für gewerbliche Kunden – diese Summen sind als Prämie im Gespräch. Angesichts der Tatsache, dass ein E-Auto derzeit noch bis zu 10.000 Euro mehr kostet als ein vergleichbarer Benziner, relativieren sich diese Zahlen schnell. Der E-Golf mit 115 PS schlägt derzeit mit 34.900 Euro zu Buche. Ein Golf 2.0 TDI mit 110 PS starkem Dieselmotor kostet 26.375 Euro und der Golf  1.4 TSI mit 110 PS-Benzinmotor ist bereits für 23.800 Euro zu haben. Auch wenn man beim Kauf des VW e-Golfs (Steckbrief) eine Kaufprämie einstreichen könnte, wäre er immer noch deutlich teurer als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Ähnliches gilt für die Elektroautos anderer Hersteller – auch dort fällt der Preisvergleich E-Auto versus Auto mit Verbrennungsmotor generell zu Ungunsten der Stromer aus.

Achillesferse Antriebsbatterie

Was also müsste geschehen, um E-Autos in Hinsicht auf den Kaufpreis wettbewerbsfähig zu machen? Der teuerste Posten der E-Mobilität ist die Antriebsbatterie. Eine preisliche Annäherung von E-Autos an Autos mit Verbrennungsmotor ist nur über eine Kostenreduzierung bei der Batterie-Herstellung zu erreichen. Weltweit forschen Industrie und Wissenschaft an der kostengünstigen und zugleich leistungsstarken Batterie der zweiten, dritten und vierten Generation. Was ist zu erwarten? Derzeit liegt das Preisniveau bei rund 300 Euro pro Kilowattstunde – das ist bereits deutlich günstiger als Prognosen vergangener Jahre vorausgesagt haben, die mit diesen Zahlen erst im Jahre 2020 gerechnet haben. Das ist erfreulich, aber immer noch weit vom im Expertenjargon als „Schallmauer“ bezeichneten Wert von etwa 130 Euro pro Kilowattstunde entfernt, den es zu erreichen gilt. Ab diesem Preis-Leistungs-Verhältnis würden E-Autos in punkto Herstellungskosten mit konventionell angetriebenen Fajrzeugen gleichziehen und wären wettbewerbsfähig.

Die wirklichen Kosten

Bevölkert trotz des hohen Kaufpreises bereits ein Elektroauto die heimische Garage, stellt sich die Frage nach den Verbrauchskosten im Alltagsbetrieb. Lässt sich zumindest in diesem Punkt Geld sparen? Die Antwort darauf ist maßgeblich vom persönlichen Nutzungsprofil und der Entwicklung der Energiepreise abhängig. Bei den derzeit sehr niedrigen Kosten für Benzin und Diesel haben Elektroautos im direkten Vergleich der Verbrauchskosten das Nachsehen. Es ist aber davon auszugehen, dass die Kosten für fossile Brennstoffe in absehbarer Zeit wieder steigen werden und im Umkehrschluss das Fahren mit Strom wirtschaftlicher wird.

Wer fährt günstiger?

In der folgenden Übersicht finden Sie die tatsächlichen Fahrkosten pro Kilometer im direkten Vergleich. Fünf in Deutschland beliebte E-Autos versus jeweils fünf vergleichbare PKW mit Benzin- und Diesel-Antrieb. Wer fährt günstiger?

ModellPSMotorNEFZ-VerbrauchListenpreisMonatliche KostenKosten pro KM (Cent)
BMW i3170Elektro12,9 kW/h34.95070056
BMW 120i177Benzin5,6 Liter30.65071257
BMW 120d190Diesel3,9 Liter33.25070056
VW e-Golf115Elektro12,7 kW/h34.90070956,7
VW Golf 1.2 TSI110Benzin4,9 Liter27.97058947,1
VW Golf 1.6 TDI110Diesel3,9 Liter26.67557746,2
Nissan Leaf Acenta109Elektro15,0 kW/h31.96070956,7
Nissan Pulsar 1.2115Benzin5,1 Liter22.34055544,4
Nissan Pulsar 1.5 dCi110Diesel3,6 Liter22.74051941,5
Renault Zoe 88Elektro13,3 kW/h21.50056945,5
Renault Clio TCe 9090Benzin4,7 Liter15.39043735
Renauklt Clio dCi 9090Diesel3,5 Liter18.79043735
Mercedes B 250 e180Elektro16,6 kW/h39.15182866,2
Mercedes B 220 4MATIC184Benzin6,6 Liter33.77281265
Mercedes B 220 d 7G-DCT177Diesel4,1 Liter36.15874559,6

Quelle der Zahlen in der Tabelle. Die Preise und Kosten sind inklusive Steuern über eine Haltedauer von vier Jahren mit jeweils 15.000 km Fahrleistung pro Jahr angegeben. Die Kraftstoffe wurden mit Literpreisen von 1,20 Euro für Superbenzin, 1,25 Euro für Superplus und 1,00 Euro für Diesel berechnet. Grundlage des Strompreises sind 0,28 Euro pro Kilowattstunde.

Fazit

Angesichts der hier dargestellten Kauf- und Betriebskosten eines E-Autos wird klar: Die Vorteile der E-Mobilität liegt definitiv nicht im wirtschaftlichen Bereich. Auch mit Einführung einer staatlichen Kaufprämie und der schon geltenden Steuervergünstigung lässt sich kein finanzieller Vorteil erkennen. Einzig die zu erwartende Senkung der Produktionskosten für Antriebsbatterien sowie steigende Preise bei Benzin und Diesel können langfristig der E-Mobilität auch in finanzieller Hinsicht einen Vorteil verschaffen.  

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