Herzschrittmacher funktionieren auch in E-Autos

14.06.2018 - 13:45 Uhr von S. Brandenburg
14.06.2018

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) haben erforscht, ob von Elektroautos eine Gefahr für Träger von Herzschrittmachern ausgeht.

Auf dem Rollprüfstand der Technischen Universität München wurde
die Stärke der elektromagnetischen Felder von Elektroautos
gemessen.
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Auf dem Rollprüfstand der Technischen Universität München wurde die Stärke der elektromagnetischen Felder von Elektroautos gemessen.

 © Dr. Carsten Lennerz

Elektromagnetische Interferenzen, wie sie auch in E-Pkw potenziell auftreten können, können die Funktion von Herzschrittmachern und anderen implantierten elektrischen Herzgeräten beeinträchtigen. Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Deutschen Herzzentrum München hat untersucht, ob eine Gefahr von Elektroautos für die Patienten ausgeht.

Dr. Carsten Lennerz, Wissenschaftler des DZHK, erklärt: „Wir wollten eine sichere Datengrundlage für Menschen mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren schaffen, vor allem um unnötige Restriktionen zu vermeiden.“ Die Studie mit 108 Trägern von Herzschrittmachern oder Defibrillatoren hat ergeben, dass von aktuellen Elektroautos keine Gefahr ausgeht.

Das Aufladen ist der kritische Moment

So wurde im Vorfeld diskutiert, ob bspw. ein Herzschrittmacher Signale empfangen kann, die das Gerät fälschlicherweise mit einem Herzschlag verwechseln könnte oder ob ein Defibrillator fälschlicherweise Schocktherapien abgibt, wenn er das elektromagnetische Feld als Kammer-Rhythmusstörung fehlinterpretiert. Zudem war unklar, ob elektromagnetische Felder implantierte elektrische Herzgeräte möglicherweise umprogrammieren können.

All diese Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Die verschiedenen Elektroauto-Modelle, die im Rahmen der herstellerunabhängigen Studie zum Einsatz kamen, wurden mit Patienten auf einem Rollprüfstand der TU München getestet, damit die Motoren auch tatsächlich die maximale Leistung erbringen konnten. Um eventuelle Abweichungen der Schrittmacher- oder Defibrillatorfunktion zu registrieren, wurde während der Fahrt bei den Teilnehmern ein Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet. Zugleich wurde die Stärke des elektromagnetischen Feldes ermittelt und mit Messwerten verglichen, die beim Fahren im Straßenverkehr aufgezeichnet wurden.

Die stärksten elektromagnetischen Felder wurden allerdings beim Aufladen der Elektrofahrzeuge festgestellt. Lennerz: „Die Autos sind innen so ausgestattet, dass die Insassen gut abgeschirmt sind. Deshalb ist das Aufladen der kritischere Moment.“ Allerdings traten auch hier keine Wechselwirkungen mit den Herzgeräten auf. „Obwohl unsere Untersuchungen zeigen, dass Fehlfunktionen sehr unwahrscheinlich sind, kann man keine dauerhafte Entwarnung geben“ , so Lennerz, der angesichts technologischer Weiterentwicklungen auf die Notwendigkeit regelmäßiger Untersuchungen verwies.

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