Volkswagen Sedric IAA-Update

12.09.2017 - 15:30 Uhr von Andreas Of
12.09.2017

Der Volkswagen Sedric („Self Driving Car“) präsentierte sich auf der IAA 2017 in seiner neuesten Evolutionsstufe. So hat sich das selbstfahrende Concept-Car seit seiner Premiere in Genf weiterentwickelt.

So stellt sich Volkswagen die Zukunft vor: das selbstfahrendes
Elektroauto Sedric.
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So stellt sich Volkswagen die Zukunft vor: das selbstfahrendes Elektroauto Sedric.

© Volkswagen

Volkswagen arbeitet weiter an autonom fahrenden Mobilitätskonzepten. Auf der IAA in Frankfurt wurde eine verbesserte Version der VW Sedric Studie vorgestellt, die bereits auf dem Genfer Automobilsalon Anfang des Jahres ihre Weltpremiere gefeiert hatte. Zusammen mit der Präsentation gab es das Versprechen von Konzernchef Matthias Müller, dass der Sedric nur der Beginn einer ganzen Familie an selbstfahrenden Autos sein soll – von vollautonomen Fahrzeugen für die Stadt über luxuriöse Langstreckenmobilität und spektakuläre Sportwagen bis zu selbstfahrenden Stadtlieferwagen und schweren Lkw.

Die Zukunft von Volkswagen gibt die Strategie „Together“ vor. Sie soll den VW-Konzern vom Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister machen, mehrere Milliarden will VW laut Müller in den nächsten Jahren in diese Entwicklung investieren. Die Studie Sedric ist nur der erste Schritt. Sie soll ein „konkreter Ausblick für automatisiertes Fahren der höchsten Stufe (Level 5) sein. Level 5 heißt, der Sedric hat weder Pedale noch Lenkrad, er fährt völlig allein. Zum Beispiel zu seinem Besitzer, um ihn abzuholen. Dazu soll der Nutzer lediglich einen Knopf drücken müssen, den so genannten “One-Button„, ein kleines Gerät, das etwa so aussieht wie ein iPod-Shuffle. Der “One-Button„ trägt eine SIM-Karte, die ihm erlaubt, mit Sedric zu kommunizieren.

Seit der ersten Vorstellung in Genf haben die Ingenieure vor allem an der Technik unter dem ungewöhnlichen Blechkleid gearbeitet. Die Umfelderkennung mit Kameras, 360-Grad-Lidar-Sensoren, Long- und Short-Distance-Radar sowie Ultraschall-Sensoren ist einer der wichtigsten Entwicklungsbereiche. Dazu kommt die Hard- und Software-Architektur zur Datenverarbeitung und die Fahrzeugsteuerung mit einem leistungsstarken Großrechner und intelligenter Software, welche den Menschen als Fahrer ersetzt.

VW Sedric – nicht für jedermann, aber zum Teilen

Die Volkswagen-Manager sind sich sicher, dass die ersten selbstfahrenden Fahrzeuge bereits ab 2021 auf den Straßen der großen Metropolen zu sehen sein werden. Man erwartet eine exponentielle Entwicklung, die weltweit stattfinden wird. Zwar will sich VW vorstellen, dass Sedric auch ein Auto zum Kaufen ist, aber vor allem soll er ein Auto zum Teilen sein. Wer unterwegs ist, kann auch in einer fremden Stadt ein “Shared Mobility„-Fahrzeug über das Bedienelement anfordern.

Der Sedric muss dabei nicht von VW sein, sondern kann auch das Label einer anderen Konzernmarke tragen. So könnte Sedric Basis eines ganzen Mobilitätssystems sein: Car Sharing wie es von Car2Go bekannt ist, Ride Sharing also digital organisierte Mitfahrzentralen, oder taxiartige Mobilitätsdienstleistungen – das alles würde mit Sedric möglich.

Und mal ehrlich: Ein Car2Go, das selbst fährt, könnte nach dem Kneipenbesuch ja auch ganz nützlich sein. Weil es keine Eingriffsmöglichkeit mehr gibt, sollen das Fahrzeug sogar Menschen ohne Führerschein nutzen können. Sie fordern das Fahrzeug über den One-Button an, der zum Beispiel die Ankunftszeit per farbiger Anzeige ankündigt oder mit Vibrationssignalen blinde Menschen zum Fahrzeug führt. Und auch wer ein solches Auto zur privaten Nutzung gekauft hat, profitiert von den Selbstfahrfähigkeiten. Anders als heutige Autos kann dieses Fahrzeug dann selbstständig Einkaufen fahren oder Besuch vom Bahnhof abholen.

VW Sedric – keine Ähnlichkeit zu Golf und Polo

Für das Design hat die neue Technologie dramatische Auswirkungen. Sedric unterscheidet sich schon außen erheblich von einem Golf oder Polo: Eine Motorhaube gibt es nicht, die Räder sitzen ganz außen und sind abgedeckt. Auf dem Dach, an Front und Heck sind Kameras und Sensoren angebracht. Am ehesten erinnert das Design noch an den VW Bus. Und weil Sedric auf dem modularen Elektrobaukasten (MEB) basiert, gleicht er mehr noch dem I.D. Buzz. Denn wie bei dem sitzt im Unterboden zwischen den Achsen das Batteriemodul, die Elektromotoren sind in der Nähe der Räder untergebracht. Und wie beim I.D. Buzz hat das einen positiven Einfluss auf das Platzangebot innen.

Im Gegensatz zur mattsilbernen Sedric-Version, die in Genf vorgestellt wurde, trägt die neue IAA-Variante eine Lackierung in Anthrazit Seidenglanz. Das soll dem autonomen Gefährt eine “warme Anmutung„ verleihen. Vertikale Streifen und die Nummerierung stellen laut VW einen augenzwinkerndern Hinweis auf die Möglichkeiten zur Individualisierung dar.

Ein Wohnzimmer für vier Passagiere

Mit einem Radstand, der nicht viel länger ist als der eines Up, wird aus Sedric eine regelrechte Lounge für Vier. Über eine zweiteilige Tür können die Passagiere sehr einfach ein- und aussteigen. Gepäck können sie einfach mit in den Innenraum nehmen. Die Sitzplätze sind paarweise gegenüber angeordnet, wobei im Concept Car nur die richtig bequem sind, die in Fahrtrichtung blicken. Bei den anderen sind die Sitzflächen hochkappbar und etwas spärlich gepolstert. Zwischen den besseren Sitzen sind die einzigen Bedienknöpfe von Sedric platziert: Sie sind mit “Stop„, “Go„, und “ Call„ beschriftet. “Das einfachste HMI (Human Machine Interface), das man sich vorstellen kann„, sagt Johann Jungwirth, seit 2015 Chief Digital Officer von Volkswagen.

Während der Innenraum des Genf-Modells noch mit Bambus-Parkett belegt war, ist die IAA-Variante deutlich funktioneller eingerichtet. Grauer Stoff und Filz statt exotischem Birkenleder soll eine Wohnzimmer-Atmosphäre erzeugen. An der Vorderseite befindet sich ein großer, halbtransparenter OLED-Bildschirm, der mit Hilfe von Augmented Reality unterhält und informiert, über die Route zum Beispiel. Nach vorne rausschauen kann man durch diesen Bildschirm trotzdem noch.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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