Ausbau der Infrastruktur für Elektromobilität

02.01.2017 - 11:15 Uhr von Henning Busse
02.01.2017

Geht es nach der Politik, soll der Verbrennungsmotor in naher Zukunft abgeschrieben werden. Doch das E-Auto ist noch nicht so weit – auch wegen der fehlenden Lade-Infrastruktur.

Service: Lade-Infrastruktur - es mangelt immer noch an
Ladesäulen.
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Service: Lade-Infrastruktur - es mangelt immer noch an Ladesäulen.

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Die Drucksache 387/16 des Bundesrates ist beim flüchtigen Lesen harmlos. Sie geht auf die EU-Forderung der emissionsfreien Mobilität ab 2050 ein. Nichts Neues. Nichts, was beunruhigen sollte – wäre da nicht dieser eine Nebensatz in Punkt 4. Der Bundesrat will „ab dem Jahr 2030 unionsweit nur noch emissionsfreie Pkw“ zulassen. Dieser Beschluss erfolgte Ende September über alle Parteien hinweg und löste heftige Diskussionen aus. Ist der Verbrennungsmotor wirklich am Ende?

Aus heutiger Sicht ist das schwer vorstellbar. Die Elektromobilität kann bislang die Lücke nicht schließen – bislang. Die Industrie kündigt bereits für das nächste Jahr eine Offensive an, die Verbesserungen bei Fahrzeugkosten und Reichweite bringen soll. Der neue Opel Ampera-e, der im Frühjahr für unter 40.000 Euro in den Handel kommt und theoretisch 500 Kilometer mit einer Batterieladung schafft, ist nur ein Beispiel. Bei BMW, Daimler, Nissan, Renault oder auch VW rüstet man ebenfalls auf.

Zu wenig Ladesäulen

Die Weichen für die E-Mobilität sind gestellt und nicht mehr umkehrbar – nicht nur aus ökologischer Sicht. Während künftig die Produktionskosten bei Autos mit Verbrennungsmotoren wegen der Abgasnachbehandlung steigen, fallen sie bei den E-Autos. Die Unternehmensberatung Roland Berger erwartet daher bereits 2025 eine Preisparität.

Diese neue, schöne Welt erhält allerdings Kratzer beim Blick auf die Lade-Infrastruktur in Deutschland. Die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte muss mit der Anzahl der Elektroautos in gleichem Maße wachsen. Das ist aber nicht der Fall. Die Nationale Plattform Elektromobilität hat bis 2020 einen Bedarf von 70.000 öffentlichen Ladepunkten und 7.100 Schnellladesäulen errechnet. Bis Juni gab es aber nur 6.500 Stationen – davon lediglich 230, die in 30 Minuten ein Aufladen von 80 Prozent der Akkukapazität ermöglichen. Aber gerade ein flächendeckendes Netz mit diesen Schnellladepunkten ist wichtig, denn es nimmt Fahrern von E-Autos die Angst vor langen Strecken.

Immerhin scheint das Problem erkannt. In verschiedenen Projekten wollen Politik, Hersteller und Energieversorger Schnellladestationen an Autobahnen und in Metropolen errichten, bis 2020 sollen mehr als 5.000 entstehen. Was die aktuelle Anzahl der E-Autos betrifft, mag das reichen. Aber was kommt danach, wie geht es mit der Netzentwicklung weiter, und wer kümmert sich darum?

Politik in der Pflicht

Hält die Industrie die Zügel in der Hand, wird es in der Bundesrepublik weiter zu Insellösungen kommen, wie die Praxis zeigt. Derzeit konkurrieren verschiedene Schnellladestandards, die sich in Leistung, Abrechnungsmodalitäten und Steckerform unterscheiden. Es fehlen einheitliche Regeln, hier ist der Staat gefragt. Bislang gibt er allerdings nur Ziele vor oder verteilt Fördergelder.

Ein Punkt, an dem Handlungsbedarf besteht, ist das Laden zu Hause. In vielen Haushalten dürfen E-Autos nicht ohne Weiteres an die 230-Volt-Steckdose – die Leitungen müssen dafür ausgelegt sein, sonst kommt es zu Schäden oder im schlimmsten Fall zu Bränden. Sicherer und effizienter ist die Wallbox am Stellplatz des Autos. Allerdings ist dieser Spaß nicht ganz günstig – Box und Installation können bis zu 2.000 Euro kosten. Das schreckt viele Kaufinteressenten von E-Autos ab. Einen guten Ansatz verfolgt gerade die EU: Sie will ab 2023 bei Neubauten und Sanierungen mindestens eine entsprechende Vorverkabelung vorschreiben. Eine Initiative, die auch von der Bundesregierung hätte kommen können.

Will der Staat bis 2030 den Mobilitätsumstieg schaffen, hat er einiges zu tun. Doch bislang geht es schleppend voran. Das zeigen schon die Probleme bei der Energiewende. Bisher bezieht das E-Auto mit dem deutschen Strommix seine Energie zu etwa 40 Prozent aus Kohlekraftwerken, worunter die Umweltbilanz massiv leidet. Laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) ist daher ein mit herkömmlichem Strom geladenes E-Auto, was den CO2-Ausstoß betrifft, nicht viel sauberer als ein Verbrennermodell.

Quelle: 2016 Motor-Presse Stuttgart
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