Deutscher Strommix: Bereit für saubere E-Mobilität?

11.02.2016 - 10:45 Uhr von Christoph Mähler
11.02.2016

Elektroautos gelten als sauberes Verkehrsmittel, doch auch ihr Fahrstrom muss erzeugt werden. Kann der deutsche Strommix dem Öko-Versprechen der E-Mobilität gerecht werden?

Für grüne E-Mobilität spielt neben Herstellung und Nutzung des Autos auch die Herkunft des Fahrstroms eine Rolle. Kann der deutsche Strommix dem Öko-Versprechen gerecht werden?
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Für grüne E-Mobilität spielt neben Herstellung und Nutzung des Autos auch die Herkunft des Fahrstroms eine Rolle. Kann der deutsche Strommix dem Öko-Versprechen gerecht werden?

 © imago/Westend61

Im Jahr 2014 wurde Braunkohle erstmals durch  erneuerbaren Energien von Platz eins der Deutschen Energiequellen verdrängt. Ein politisch geförderter Trend, der sich 2015 weiter fortsetzte. Vor allem der Anteil von Windkraft konnte im letzten Jahr von 9,1% auf 13,3% erkennbar gesteigert werden. Andere nachhaltige Enegieträger, wie die einst boomende Photovoltaik, legten kaum zu. Zusammengenommen machten die Erneuerbaren im vergangenen Jahr 30% unserer Energieversorung aus.

Vieles spricht dafür, dass eine langfristig geplante Vollversorgung durch erneuerbare Energien technisch und wirtschaftlich machbar ist. Das belegen sowohl die Untersuchungen vom Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen (SRU) als auch Studien der Europäischen Klimastiftung ECF. Die Abkehr von konventionellen, klimaschädlichen Energiequellen ist damit mehr eine Frage politischer Entscheidungen als eine technischer Möglichkeiten.

CO₂ als Klimakiller Nummer eins
Entscheidender Faktor bei der Begrenzung der Erderwärmung ist die weltweite Verringerung der derzeitigen CO₂-Emissionen. Das klimaschädliche Kohlenstoffdioxid entsteht vorwiegend bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe. In Deutschland sind in erster Linie Kohlekraftwerke und der Straßenverkehr die größten CO₂-Verursacher. Daher gelten erneuerbare Energien und emissionsarme, besser noch emissionsfreie Mobilität, als das Gebot der Stunde.

E-Mobilität emissionsfrei?
Ein Elektroauto ist im Betrieb emissionsfrei. Das bedeutet aber nicht, dass es automatisch die umweltfreundlichste Form der Mobilität darstellt. Zwei Faktoren sind für den ökologischen Fußabdruck eines E-Autos entscheidend: Die CO₂-Belastung durch die Autoherstellung und die Herkunft des zum Fahrbetrieb notwendigen Ladestroms. Über die Umweltbelastung während der Produktion geben die Autohersteller nur sehr spärlich Auskunft. Wesentlich transparenter sind hingegen die Zahlen zu dem derzeit in Deutschland zur Verfügung stehenden Stromangebot. Mithilfe welcher Energiequellen der allgemeinhin als „Strommix“ bezeichnete Haushaltsstrom erzeugt wird, soll im Folgenden näher beleuchtet werden.

Wie „grün“ ist deutscher Strom?
Im internationalen Vergleich hinsichtlich der Nutzung erneuerbarer Energien zur Stromgewinnung schneidet Deutschland gut ab. Im Juni 2015 belegte die BRD den zweiten Platz hinter Dänemark. Grundlage des Vergleichs war die installierte Pro-Kopf-Leistung erneuerbarer Energien. Bezogen auf die absolut produzierte Ökostrommenge schnitten nur die flächenmäßig wesentlich größeren USA und China besser ab. Die zugrunde liegenden Erhebungen lassen allerdings die Bereiche Wasserkraft und Geothermie außer Acht. Geologisch und geographisch bevorzugte Länder wie Island oder Paraguay konnten sich mithilfe dieser beiden Energiequellen bereits gänzlich von der konventionellen Stromerzeugung lossagen. Deutschland setzt bei den erneuerbaren Energien in erster Linie auf Wind- und Sonnenkraft, Biomasse und Hausmüll sowie im kleineren Rahmen auf Wasserkraft. 

Was bedeutet der Strommix für die E-Mobilität?
Die Zeit arbeitet für das Elektroauto. Je konsequenter die Energiewende vorangetrieben wird, desto mehr Ökostrom fließt aus deutschen Steckdosen. Mit jedem Prozent mehr Strom aus regenerativen Quellen verbessert sich logischerweise auch die Ökobilanz eines E-Autos. Das gilt sowohl für den Herstellungsprozess als auch für das Stromtanken. Ab welchem Punkt die Anschaffung eines E-Autos klimagünstiger ist als die eines Benziners oder Diesels, hängt aber nicht am Strommix allein.

Ist der private Umstieg vom Benziner auf Stromer ökologisch sinnvoll?
Wer mit dem Gedanken spielt, seinen alten Benziner zugunsten eines E-Autos aufzugeben, möchte Verschiedenes wissen. Die naheliegenden Fragen nach Anschaffungspreis, Wirtschaftlichkeit und Fahrkomfort lassen sich relativ einfach beantworten. Schwieriger wird es bei der Frage nach der ökologischen Sinnhaftigkeit: Kann man mit einem E-Auto wirklich seinen persönlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten? Viele Faktoren wollen hier berücksichtigt werden: Alter und Verbrauch des bisherigen Autos, persönliches Fahrprofil und Nutzungsart sind nur einige davon. Schnell wird klar, dass diese Frage sich nicht einfach beantworten lässt. Das Forschungsprojekt „UMBReLA - Umweltbilanzen Elektromobilität“ des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) kann hier weiterhelfen. Auf der Homepage des Projektes findet sich ein sogenannter Umweltrechner. Unter Berücksichtigung der aktuellen Energieverhältnisse kann dieses Tool die Umweltbilanz Ihrer persönlichen Fahrzeugnutzung ermitteln. Es bietet die Vergleichsmöglichkeit von Ihrem PKW mit einem Elektro- oder Hybridfahrzeug, beziehungsweise einem Benziner neuester Bauart.

Auch Spiegel Online bietet einen (etwas einfacheren) interaktiven Klima-Rechner an: Nach Angabe einiger Parameter zum eigenen Auto berechnet das Tool, ab wann der Umstieg auf ein E-Auto ökologisch sinnvoll ist. 

Langfristige Perspektiven oder Zukunftsmusik?
Das Ergebnis der eingangs erwähnten Klimakonferenz lässt hoffen. Zwar werden nach erstem Schulterklopfen schon Unkenrufe laut, alle Maßnahmen kämen zu spät. Aber dennoch: Die Weltgemeinschaft scheint erkannt zu haben, dass es höchste Zeit zum Umdenken ist. Der globale Schulterschluss ist ein starkes Symbol, dem jetzt effektive Klimaschutz-Maßnahmen folgen müssen. Die in Deutschland eingeschlagene Richtung ist zweifelsohne richtig: Ein schneller Ausstieg aus Kohle- und Kernkraft und zeitgleich der Ausbau erneuerbarer Energien. Oder um es mit den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sagen: „Es geht um eine grundlegende Transformation unseres Wirtschaftens, die alle Sektoren erfasst – die industrielle Produktion, die Mobilität, die Energieerzeugung, die Wärmedämmung, die Energieeffizienz.“ Die Umsetzung dieser Ziele wird große gesellschaftliche Konsequenzen mit sich bringen und sie wird auch die Klimabilanz elektrisch angetriebener Fahrzeuge weiter verbessern.

Quelle: stromschnell.de
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