Hybridauto im Fakten-Check: Lohnt es sich?

25.04.2017 - 09:30 Uhr
25.04.2017

Hybridautos sind umweltfreundlich, leistungsstark und alltagstauglich? Lohnen sich die meist hohen Anschaffungskosten? Und ist die Energieersparnis dank der Motoren-Kombination wirklich nennenswert? Ein Fakten-Check.

Fahrzeuge wie der Plugin-Hybrid VW Passat GTE kombinieren einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einem E-Antrieb. So lassen sich Strecken von etwa 30 km rein elektrisch und lokal emissionsfrei zurücklegen.
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Fahrzeuge wie der Plugin-Hybrid VW Passat GTE kombinieren einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einem E-Antrieb. So lassen sich Strecken von etwa 30 km rein elektrisch und lokal emissionsfrei zurücklegen.

 © Volkswagen AG

Die Technik des Hybrid-Antriebs

Ein Hybrid-Auto zeichnet sich dadurch aus, dass es durch eine Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor angetrieben wird. Die Idee dahinter: das Kompensieren der jeweiligen Schwächen sowie das Nutzen der Stärken, um eine deutliche Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und des Ausstoßes vom Treibhausgas C02 herbeizuführen – eine Win-Win-Situation. Aus der überschüssigen Energie des Verbrennungsmotors wird elektrische Energie gewonnen und in einer Batterie (z.B. Lithium-Ionen- oder Nickel-Metallhybrid-Akkus) gespeichert. Die wiederum kommt zum Einsatz, sobald der Elektromotor sie braucht.

Welche Vorteile hat ein Hybridmotor?

Weitere Energie wird bei jedem Bremsvorgang und Bergabfahren gewonnen: Freigewordene kinetische Energie wird in der Batterie gespeichert und kann später für den Antrieb dienen. In Zahlen ausgedrückt: Einem Hybrid-Auto gelingt es, im Vergleich zu einem gleichgroßen Benziner etwa 15 bis 25 Prozent Kraftstoffeinsparungen zu erzielen. Klingt gut – wenn man von den Anschaffungskosten einmal absieht. Im Durchschnitt sind Hybridautos bis zu 30 Prozent teurer als die dazugehörigen konventionellen Modelle. Beispiel Toyota: Mit Benzinmotor kostet der Yaris rund 12.000 Euro, als Hybrid hingegen 17.000 Euro. Ein Saubermann in Sachen Umwelt, kostentechnisch hingegen zunächst fragwürdig: Das Hybrid-Auto führt zu Diskussionen, sobald es um den Preis geht.

Welches Hybrid-Modell soll ich kaufen?

Unumstrittener Weltmarktführer bei Hybrid-Autos ist Toyota (inkl. hauseigener Luxus-Marke Lexus). Bereits 1997 brachte der japanische Hersteller den Prius heraus und verkaufte seitdem 8,5 Millionen Hybrid-PKW über den Globus verteilt (Stand: 2015). Was sich liest wie ein internationales Riesengeschäft, ist hierzulande höchstens eine Randnotiz: Unter den jährlich gut 3,2 Millionen Neuanmeldungen (Stand: 2015) in Deutschland sind nicht einmal 35.000 Hybrid-Autos. Dabei sind diese vor allem im City-Bereich durchaus interessant: Während Benziner im dichten Stadtverkehr kaum Effizienz-Punkte sammeln können, bringt den Hybrid-Modellen allein das ständige Abbremsen zusätzliche Energie ein. Nicht zuletzt sorgt auch die Automatik mit Start-Stopp-Funktion für einen Vorteil der Hybrid-Fahrzeuge: Es ist schlichtweg die stressfreiere Fahrweise im Berufsverkehr.

Preisexplosion für mehr Sprint-Spaß

Wer auf nachhaltiges und entspanntes Vorankommen auf Kurzstrecken fokussiert ist, setzt etwa mit einem Kleinwagen wie dem Toyota Yaris Hybrid (Leistung: 74 kW, vmax 165 km/h, 0-100 km/h 11,8 Sekunden; Verbrauch: 3,3l S/100 km; Preis: ab 17.300 Euro) auf ein passendes Gefährt. Eher sportliche Fahrer werden mit diesem Wagen allerdings weniger Freude haben. Wer Fahrspaß vor allem an Beschleunigung und Geschwindigkeit festmacht, findet entsprechende Modelle nur in der höheren Hybrid-Preiskategorie, die etwa ab 50.000 Euro beginnt. Ein Beispiel, das auch optisch gefällt: der BMW i8. Mit nur rund 1,5 Tonnen Gewicht dank Carbonfaser-Leichtbaus bei 4,7 Meter Länge und 362 PS saust der Hybrid-BMW in 4,4 Sekunden von 0 auf 100 und von da aus weiter bis 250 km/h Spitze. Hinzu kommt der geringe Verbrauch (2,11 Super/100 km), der den i8 zu einem echten Star unter den Hybriden macht. Selbst Tom Cruise (als Ethan Hunt in „Mission Impossible“) nutzte ihn schon für seine Aufträge. Das alles hat jedoch seinen Preis: stolze 134.000 Euro.

Marktübersicht: Modell, Leistung, Verbrauch, Preis – 14 Hybrid-Autos in Zahlen

Modell

(Motor-)Leistung

Verbrauch

Preis 

Toyota Prius IV

90 kW, vmax 180 km/h, 0-100 km/h 10,6 Sekunden

3,0l S/100 km

28.150 Euro

Toyota Auris Hybrid

100 kW, vmax 180 km/h, 0-100 km/h 10,9 Sekunden

3,5l S/100 km

22.990 Euro

Hyundai Ioniq Hybrid

104 kW, vmax 185 km/h, 0-100 km/h 10,8 Sekunden

3,4l S/100 km

23.900 Euro

VW Jetta 1.4 TSI Hybrid

125 kW, vmax 210 km/h, 0-100 km/h 8,6 Sekunden

4,1l S/100 km

31.700 Euro

Mercedes C 300 h

170 kW, vmax 244 km/h, 0-100 km/h 6,4 Sekunden

3,6l S/100 km

47.243 Euro

Kia Niro

104 kW, vmax k.A., 0-100 km/ 10,8 Sekunden

3,4l S/100 km

24.990 Euro

Ford Mondeo Hybrid

138 kW, vmax 187 km/h, 0-100 km/h 9,2 Sekunden

4,0l S/100 km

29.900 Euro

BMW i8

266 kW, vmax 250 km/h, 0-100 km/h 4,4 Sekunden

2,11 S/100 km

134.000 Euro

VW Touareg Hybrid

279 kW, vmax 240 km/h, 0-100 km/h 6,5 Sekunden

8,2l S/100 km

78.900 Euro

Lexus NX 300h

145 kW, vmax 180 km/h, 0-100 km/h 9,2 Sekunden

5,1l S/100 km

39.800 Euro

BMW 740e iPerformance

240 kW, vmax 250 km/h, 0-100 km/h 5,4 Sekunden

2,1 S/100 km

94.200 Euro

Volvo XC90 T8 Twin Engine

294 kW, vmax 230 km/h, 0-100 km/h 5,9 Sekunden

2,5 S/100 km

76.160 Euro

VW Golf GTE

150 kW, vmax 217 km/h, 0-100 km/h 7,6 Sekunden

1,5 S/100 km

36.900 Euro

VW Passat GTE

160 kW, vmax 225 km/h, 0-100 km/h 7,6 Sekunden

1,7 S/100 km

44.250 Euro

Wie und wo lade ich mein Hybrid-Auto?

Neben einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose zuhause bieten auch öffentliche Ladestationen eine Möglichkeit, den Akku im Plug-In-Hybrid wieder aufzuladen. Das Laden gelingt dort in rund 3 Stunden, während es zuhause etwa doppelt so lang dauert. Die Anzahl der öffentlichen Stationen nimmt dabei stetig zu. Laut des Bundesverbands Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gab es im vergangenen Jahr bundesweit 7.400 öffentliche Ladepunkte. Diese Infrastruktur ist ein, wenn nicht der entscheidende Faktor, wenn es darum geht, sich für ein Hybrid-Auto zu entscheiden.

Der Bund startete kürzlich erst ein Förderprogramm (300 Millionen Euro), das für 15.000 neue Ladesäulen sorgen soll. Zum Vergleich: Zusammen mit den privaten Ladestationen, etwa bei Autofirmen, gab es in Deutschland 2015 noch rund 5.500 Ladepunkte, 2016 waren es bereits fast 25.000. Bei den Bundesländern liegt derzeit Nordrhein-Westfalen mit etwa 1.600 Ladepunkten knapp vor Baden-Württemberg (etwa 1.500) und Bayern (etwa 1.100). Im Städte-Ranking belegt Berlin mit Platz 1 (etwa 550) vor Stuttgart (375) und Hamburg (292).

Stromtankstellen-Verzeichnisse

Entlang von Autobahnen und viel befahrenen Bundesstraßen soll es auch bald eine Vielzahl von Schnellladestationen geben, deren Aufbau von Herstellern wie BMW, Daimler, Audi, Porsche und Ford unterstützt wird. Ein von der EU gerne gesehener politischer Zug, sorgt Deutschland damit doch für eine höhere Attraktivität des Hybrid-Marktes und folglich eine Senkung des Schadstoffausstoßes. Wo die nächste Säule zu finden ist, erfahren Hybrid-Halter mittlerweile über zahlreiche Verzeichnisse.

Kaufprämie: Wie werden Hybrid-Autos gefördert?

Die Anschaffungskosten für Hybrid-Pkw sind ohne Frage hoch, angesichts der bloßen Summen rücken die künftigen Ersparnisse und das Thema „Umwelt“ in den Hintergrund. Immerhin: Der Bund hat das Problem erkannt und fördert seit Juli 2016 gezielt Hybrid-Käufer. Sie können eine Prämie beantragen (auch rückwirkend für Fahrzeuge, die nach dem 18. Mai 2016 gekauft wurden), nämlich 3.000 Euro pro Wagen (zuständig ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle). Das Angebot gilt zumindest „so lange, bis die Bundesmittel von 600 Millionen Euro aufgebraucht sind“. Bund und Industrie teilen sich diesen Zuschuss. Das Programm läuft allerdings 2020 aus. Seit Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes wurden in Deutschland rund 5.000 Anträge von Hybrid-Haltern gestellt.

Infografik: Deutsche fahren auf Hybride ab | Statista

Steuerentlastungen

Der Staat lockt darüber hinaus mit Steuervergünstigungen: Seit Januar 2017 können Arbeitnehmer ihre Hybrid-Autos beim Arbeitgeber kostenlos aufladen, ohne Steuern dafür zahlen zu müssen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber den Strom für die Mitarbeiter-Fahrzeuge auch kostenfrei zur Verfügung stellt, also zusätzlich zum normalen Lohn. Bei einem Neupreis von mehr als 100.000 Euro wirken Prämien und Vergünstigen dieser Art womöglich wie ein Tropfen auf einen heißen Stein.

Vergleichweise groß erscheinen jedoch die Kostenübernahmen bei Hybrid-Kleinwagen. Sie können durchaus dazu beitragen, dass die Entscheidung pro Hybrid-Auto ausfällt. Dass diesem die Zukunft gehört, steht fest – ist die abgasarme Technologie doch aus umweltpolitischer Sicht unumgänglich. Und so versucht neben Asien und den USA auch die EU, den Weg freizumachen für die flächendeckende Verbreitung des Doppelmotors (bzw. des reinen E-Autos). Die Bundesregierung etwa plant, bis 2020 so viele Pkw mit E-Antrieb auf die Straßen zu bringen, dass Deutschland europaweit führend ist in der Elektromobilität. Experten schätzen die Zahl der dann angemeldeten Pkw mit Hybrid-Antrieb (oder reinem E-Motor) auf etwa 2,5 Millionen.

Reichweite und Verbrauch

Hybrid-Autos erlauben es ihren Fahrern, deutlich häufiger an der Tankstelle vorbeisteuern zu können, als Halter von Benzinern. Durch die Motoren-Paarung ist im Hybrid-Fall auch ein rein elektrisches Fahren möglich – zumindest so lange die Akkus es erlauben.

Beispiel VW Golf GTE: Dessen Lithium-Ionen-Akku ist – je nach Leistung der Haushaltssteckdose (230 Volt) – innerhalb von zwei bis vier Stunden aufgeladen und reicht für eine Distanz von rund 30 Kilometern, ist also bestens geeignet für den täglichen Großstadtverkehr. Noch schneller geht es mit einem 400 Volt-Anschluss, der einphasige Ladeleistungen von 3,7 kW bis zu 7,4 kW erzielt. An diesen Anschluss, der auch für Elektroherde benutzt wird und in den meisten Haushalten vorhanden ist, kann eine Wallbox, also einer Wandladestation für zu Hause angeschlossen werden. Sie ist die Schnittstelle zwischen Ladekabelstecker und Stromnetz (siehe auch "Voraussetzungen der heimischen Elektroinstallation“).

Was bringt der Hybrid?

Abhängig sind die erzielbaren Kilometerzahlen natürlich auch vom restlichen Stromverbrauch im Auto, also internen Stromfressern wie Klimaanlage und Beleuchtung. Dennoch: Kombiniert mit dem Verbrenner erreicht zum Beispiel der Hybrid-Golf 939 Kilometer Reichweite - bedenkt man hier auch die sportlichen 204 PS, ist das eine gute Leistung.

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