Sono Sion im ersten Fahrbericht

22.08.2017 - 11:30 Uhr von Bernd Conrad
22.08.2017

Aus München drängt ein neues Elektroauto auf den Markt. Der Sono Sion setzt auf kleinen Preis und kompakte Abmessungen. Probefahrt in einem ersten Prototypen. Bildershow >>

Das Münchener Elektroauto-Startup Sono Motors geht mit seinem
Sion auf Europatoutnee, um potenzielle Investoren und Kunden zu
überzeugen.
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Das Münchener Elektroauto-Startup Sono Motors geht mit seinem Sion auf Europatoutnee, um potenzielle Investoren und Kunden zu überzeugen.

© Bernd Conrad

Das Elektroauto-Startup Sono Motors lässt Worten Taten folgen. Einige Wochen nach der Präsentation des ersten Prototyps ihres Sion gehen die Münchner jetzt auf Europatournee und stellen ihr Elektroauto für kurze Probefahrten zur Verfügung (Termine). Das Ziel: Crowdfinanzierer, Interessenten und Journalisten sollen das erste Elektroauto des Unternehmens kennen lernen.

Während die teils weit angereisten Zuschauer bei der Präsentation zwar fleißig klatschen, sich aber keinesfalls in das Auto setzen durfte, gibt man sich bei der ersten Station der Probefahrten-Reise in München erstaunlich gelassen. Zwei Autos hat Sono mitgebracht. Die beiden ersten und einzigen Prototypen des Sion.

Der soll, sofern bis Ende dieses Jahres aus den bisher eingegangenen 1.500 Bestellungen 5.000 Kaufverträge werden, ab 2019 bei einem noch nicht benannten Auftragsfertiger produziert werden. Dabei sollen viele Zuliefererteile verwendet werden. Auch um den angepeilten Preis des Sono Sion bei 16.000 Euro (ohne Batterie) zu halten, verzichtet man auf teure Eigenentwicklungen bei Scheinwerfern, Leuchten und Innenraumteilen. Ob das Serienauto jedoch derart viele BMW i3-Zitate zur Schau stellen wird (und darf) wie die Prototypen, bleibt abzuwarten: Mittelkonsole, Lenksäule samt Lenkstockhebel und dem Gangwahlschalter, Felgen (bei einem der beiden Sions, der andere rollt auf Alus des BMW 2er Active Tourer), Lichtschalter und Teleskopstangen zum Halten der Kofferraumklappe sind aus dem BMW-Teileregal.

Materialien und Design: Vorserie

Auch die noch glänzenden Türverkleidungen und die recht einfachen Sitze entsprechen laut Sono Motors nicht dem künftigen Serienstandard. Wohl aber das über die gesamte Breite des Armaturenbretts und zentral im Fond zur Schau gestellte Moos. Hinter Glas, später auch per LED beleuchtet, erreicht dieser natürliche Innenraumluftfilter, den man nach dem Auswechseln gegen frisches Moos einfach in die Biotonne wirft, gar den Status eines Kunstwerks. Ein geschickter Kontrast zum Rest des 4,11 Meter langen Elektroautos, das ansonsten natürlich aus künstlich hergestellten Materialien besteht.

Karbon und Kunststoff sind die Hauptbestandteile des Sion. Plexiglas schützt die Solarzellen, die auf den Türen, der Motorhaube, dem Dach und sogar dem Armaturenbrett angebracht sind. Im Idealfall (Sonne satt!) sollen sie für zusätzliche 30 Kilometer Reichweite pro Tag sorgen – zusätzlich zu den 250 Kilometern aus der 35 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie. Die soll sowohl mit dem Auto gekauft oder, wie es z.B. Renault vormacht, gemietet werden können.

Heckmotor und bis zu 140 km/h Spitze

80 kW (109 PS) leistet der im Heck verbaute Elektromotor des Sion, der die Hinterräder antreibt. Bis zu 140 km/h soll er das Auto vorantreiben. Was beim ersten Fahrtermin nicht ausprobiert werden konnte, denn der Ort für die Probefahrten war ein spezieller: Die Kunststoffbahn, auf der Breitensportler ein paar stolze Meter in das Ziel des Münchner Marathons laufen können, diente uns als Auslauffläche für den Sion.

Luft nach Oben

Genug, um ein Gefühl für das Konzept des Autos zu bekommen. Der Sono Sion wird ein Low-Budget-Elektroauto, daraus machen seine Erfinder auch kein Geheimnis. Wählbare Rekuperationsstufen des Elektroantriebs? Nicht geplant. Brachialer Antritt bei schwerem rechten Fuß? Keineswegs, aber dynamisch genug für den normalen Einsatzzweck eines kompakten Autos und auch für Ottonormalos mit wenig Elektroautoerfahrung narrensicher. Auf den Sitzen rutscht man haltlos hin und her, die sollen aber wie oben erwähnt zum Serienstart noch ausgetauscht werden. Über die Fahrwerksabstimmung lässt sich nach den Runden über eine ebene Oberfläche natürlich nichts sagen. Wohl aber über den viel zu engen, bzw. kaum vorhandenen Raum für den linken Fuß des Fahrers. Hier sollte Sono konstruktiv nochmal heran, vielleicht bringt ja die Streckung des Radstands von aktuell 2,45 Metern etwas Luft.

Das könnte auch der Fond vertragen, wenn man damit dann die Chance nutzt, den Sion nicht nur als günstiges Elektroauto für Einsteiger sondern zeitgleich als überaus geräumiges Elektroauto für Einsteiger zu positionieren. Der Prototyp bietet auf der sehr hoch montierten Rücksitzbank in etwa den Bewegungsraum großzügiger Kleinwagen vom Schlage eines aktuellen Seat Ibiza oder des neuen VW Polo. Weit oben liegt auch der Kofferraumboden. Darunter steckt ja die Elektrotechnik. Was im Umkehrschluss dafür sorgt, das der Serien-Sion einen zweiten Kofferraum unter der vorderen Haube bekommen wird. Die bleibt uns beim Testwagen noch verschlossen, der aktuell noch mit Testgeräten vollgestopft ist.

Ausstattung: Einer für alle

Vollgestopft soll der spätere Sono Sion nicht werden, aber vernünftig ausgestattet. Mit Klimaanlage, Infotainmentsystem und Sitzheizung ab Werk. Eben die Dinge, die der Elektromobilist genauso haben will wie alle Autofahrer. Und wenn er sie im Sion von Haus aus bekommt, soll er auch bitte nicht nach Individualisierung fragen. Im Gegensatz zum „wir machen alles bunter“-Trend vieler Autohersteller will Sono Motors nämlich nur ein einziges Standard-Modell anbieten. Vielleicht wird es die Anhängerkupplung als einziges Extra geben, wobei man laut Aussage einer Sprecherin überlegt, diese auch gleich in alle Sion zu packen.

Nicht mal die Lackierung wird sich der Sono-Kunde zu Beginn aussuchen können. Es wird nur eine Farbe geben. Weiß oder schwarz? Diese Entscheidung will das Unternehmen „der Crowd“, also den Fans in den Sozialen Medien, überlassen. Wegen dem harten Kontrast der Solarpaneele zur Lackierung des weißen Prototyps wird wohl der dunkle Sion das Rennen machen.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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